Ungewissheit

Studie: Rechtliche Unsicherheit blockiert Emissionshandel

Eine aktuelle Umfrage der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton ergab, dass 75 Prozent der Unternehmen eine Verteuerung ihrer Produkte durch das Emissionsgesetz erwarten. Zudem verhinderten die rechtlichen Unsicherheiten nötige Investitionen, so dass die Unternehmen kaum konkrete Maßnahmen eingeleitet haben.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Ab 1. Januar 2005 werden Unternehmen nach EU-Recht Emissionsrechte für Treibhausgase zugeteilt, um die im Kyoto-Protokoll beschlossene Senkung des Schadstoffausstoßes zu erreichen. Nicht genutzte Rechte können in Form von sogenannten Emissionszertifikaten gehandelt werden. Noch sind aber viele Details zu den nationalen Allokationsplänen offen, weshalb die Mehrheit der Unternehmen im Moment nicht weiß, ob sie als Käufer oder Verkäufer am Markt auftreten wird. Betroffene Unternehmen werden sich somit sehr kurzfristig auf den bevorstehenden Handel einstellen müssen. Dies belegt eine aktuelle Umfrage der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton unter den Unternehmen der betroffenen Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Durch den Handel mit Emissionszertifikaten stehen Unternehmen vor der Entscheidung, ob sie heute in neue oder verbesserte Technik investieren oder lieber bestehende Anlagen weiter betreiben und als Ausgleich dafür Zertifikate von ihren Mitbewerbern erwerben. Die Mehrheit der befragten Unternehmen (59 Prozent) ist laut Studie der Überzeugung, dass der Handel mit Emissionszertifikaten zur effizienten Steuerung von Investitionen in den Klimaschutz taugt. Weiterhin vertrauen 21 Prozent darauf, dass das Handelssystem ihre Investitionen in moderne Technik schützt.

Die Studie ergab, dass die rechtlichen Unsicherheiten das größte Problem sind. Derzeit rechnen die Unternehmen bei Handelsbeginn zwar mit Zertifikatspreisen von 5 bis 20 Euro, die Spannweite der einzelnen Schätzungen reicht jedoch von 0 bis über 40 Euro. "Die rechtliche Unsicherheit ist extrem schwierig für die Unternehmen, denn sie können derzeit keine verlässliche Investitionsplanung vornehmen", erläutert Karlheinz Bozem, verantwortlicher Partner der Energiegruppe von Booz Allen Hamilton für den deutschsprachigen Raum. Bozem weist darauf hin, dass "fast alle Unternehmen (72 Prozent) an die Erfüllung der staatlichen Ziele durch Emissionshandel glauben, aber fast drei Viertel aller Unternehmen befürchten, dass ihre Produkte merklich verteuert werden."