Fehleinschätzung

Studie: Keine sinkenden Strompreise durch E.ON-Netzverkauf

Die Trennung von Erzeugung und Netzbetrieb im Energiebereich soll mehr Wettbewerb schaffen und die Strompreise senken. Einer Analyse der Consline AG zufolge dürften die Netzentgelte in Zukunft jedoch eher steigen, und zwar gerade durch den Verkauf an unabhängige Investoren.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

München (red) - Die These, mit dem Unbundling wären sinkende Netzentgelte bzw. fallende Strompreise verbunden, basiert nach Ansicht von Klaus Kreutzer von der Consline AG auf einer Fehleinschätzung: "Durch den Eigentümerwechsel ändert sich nichts am Monopol der Netze. Da sich parallele Leitungen nicht rechnen, gibt es auch nur einen Anbieter für den Stromtransport von A nach B." Da somit auch der neue Eigentümer keinen Wettbewerber habe, gebe es keinen Grund, die Netzentgelte zu senken. Auch die Regulierungsbehörde könne sinkende Netzentgelte nur fordern, soweit entsprechende Kostensenkungen unterstellt werden können.

Eine Analyse der Consline AG zeige, dass durch den Verkauf der E.ON-Höchstspannungsnetze die Netzkosten nicht sinken. Der Käufer des Netzes wird in nächster Zeit erhebliche Investitionen tätigen müssen, die die Höhe des geschätzten Verkaufspreises von 1,8 Milliarden Euro leicht erreichen oder sogar übertreffen könnten.

Der Investor werde diese Kosten der Regulierungsbehörde nachweisen und letztlich an den Markt weitergeben. Wenn aber erst ein unabhängiger Investor höhere Netzentgelte durchgesetzt haben, sei dies ein Dammbruch. RWE, EnBW oder Vattenfall könnten den unabhängigen Netzbetreiber als Argumentationshilfe für eigene Kosten- und Preissteigerungen benutzen. Darüber hinaus gibt Consline zu denken, dass es ohne eine hinreichende Rendite nicht viele interessierte Investoren geben werde.

Die Consline AG ist spezialisiert auf Markt- und Wettbewerbsinformationen für die Energiebranche und erarbeitet Analysen und Prognosen für führende Energieunternehmen.