Anreizregulierung

Studie: Jeder zweite Netzbetreiber wird vom Markt verschwinden

Für die deutschen Energieversorger brechen turbulente Zeiten an. Einer aktuellen Meinungsumfrage unter Experten zufolge werden in den kommenden sieben Jahren rund ein Viertel der Versorger sowie etwa jeder zweite Strom- und Gasnetzbetreiber vom Markt verschwinden.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Kronberg im Taunus (red) - Die Anfang 2009 in Kraft tretende Anreizregulierung wird die Branche tiefgreifend verändern, so die Meinung von Branchenkennern, die für eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture befragt wurden. Die befragten Entscheider von Energieversorgungsunternehmen, Strom- und Gasnetzbetreibern sowie Experten aus Wissenschaft und Forschung sind der Meinung, dass sich das Marktumfeld für Netzbetreiber durch die Anreizregulierung massiv verschlechtern wird. Aufgrund der neuen Vorgaben zur Effizienzsteigerung seien schwache Netzbetreiber in ihrer Existenz bedroht, da sie die geringeren Netznutzungsentgelte nicht durch entsprechende Kosteneinsparungen kompensieren können.

Zudem können nach Meinung der Befragten selbst effiziente Netzbetreiber künftig keine deutlich überdurchschnittlichen Margen erwirtschaften. Dennoch sieht etwa ein Drittel im Anreizmechanismus auch wirtschaftliche Chancen: "Damit die Konsolidierungswelle nicht zur Gefahr, sondern zur Chance wird, müssen sich die Unternehmen einer grundsätzlichen Strategiediskussion stellen", sagt Stephan Werthschulte von Accenture.

Zum weiteren erfolgreichen Bestehen am Markt werden bei vielen Netzbetreibern Zusammenschlüssein Form von Kooperationen oder Zukäufen notwendig sein. "Mehr als 900 Energieversorger und 1.100 Strom- und Gasnetzbetreiber sind zuviel. Die Branche muss sich auf eine Konsolidierungswelle vorbereiten", so Werthschulte weiter. Die Mehrheit der Befragten ist davon überzeugt, dass bis 2015 die Anzahl der Energieversorger in Deutschland um mindestens ein Viertel und die Anzahl der Netzbetreiber sogar um rund die Hälfte zurückgehen wird.

Weiter erwarten die Experten, dass Vertrieb und Netz künftig stärker getrennt werden. Zum einen sei zu erwarten, dass eine eigentumsrechtliche Entflechtung für Übertragungsnetzbetreiber vorgeschrieben und auch für Verteilnetzbetreiber diskutiert wird. Zum anderen werden unterschiedliche Risiko- und Renditeerwartungen in den Bereichen Erzeugung, Verteilung und Vertrieb verschiedene Investorentypen ansprechen. Kommunale Anteilseigner werden sich der Studie zufolge weiter aus der Energiewirtschaft zurückziehen.