Kritik an Objektivität

Studie gibt Entwarnung für Tourismus in Nähe von Kohlekraftwerk

Das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin soll einem touristischen Forschungsgutachten zufolge weniger negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Region haben als bislang befürchtet. Eine Bürgerinitiative aber nennt die Studie "wertlos", da diese vom Kraftwerks-Investor Dong Energy bezahlt wurde.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Greifswald (ddp-nrd/sm) - Es seien keine langfristig negativen Effekte auf den Tourismus in der Region zu erkennen, sagte einer der Autoren der von den Tourismusverbänden Rügens und Usedoms bestellten Studie, Martin Benkenstein. Das Kraftwerk sei nur von Lubmin sowie vom äußersten südlichen Teil Rügens sichtbar, nicht aber von der Insel Usedom.

Der Rostocker Universitätsprofessor betonte, dass keines der Seebäder um seinen Status bangen müsse. Vergleiche mit anderen Urlaubsregionen bei Kiel und in Dänemark hätten zudem gezeigt, dass Urlauber Kraftwerke nicht direkt als störend empfänden.

Die beiden Verfasser der 108 Seiten starken Studie sehen die größte Gefahr für die Region in einem Imageschaden durch negative Berichterstattung. "Das Imagerisiko tragen alle, wenn etwa die Diskussion in den Medien über die Landesgrenze hinaus getragen wird", sagte Benkenstein. Nach Ansicht der beiden Professoren aus Rostock und Lüneburg kann der Energiestandort Lubmin sogar eine Chance für mehr Geschäftsreise-Tourismus bieten.

Das Gutachten weist unter anderem darauf hin, dass die touristische Situation von Lubmin bereits heute schwierig sei. Der Ort befinde sich seit Jahrzehnten touristisch im Dornröschenschlaf, sagte Benkenstein.

Kritik an der Studie kam vom Vorsitzenden der Usedomer Bürgerinitiative "Kein Steinkohlekraftwerk Lubmin", Michael Woitacha. Er zweifelt die Objektivität des Gutachtens an, weil die Untersuchung vom dänischen Kraftwerks-Investor Dong Energy bezahlt worden sei. Vor diesem Hintergrund sei die Studie "wertlos", sagte Woitacha. Offensichtlich gelte das Prinzip, dass "derjenige den Takt bestimme, der die Musik bezahle".

Benkenstein wies den Vorwuf zurück. Gutachter seien es gewohnt, von jemandem bezahlt zu werden, sagte er. Das bedeute aber nicht, dass sie Gefälligkeitsgutachten erstellten.