Berechnungen

Studie erwartet Konjunkturbelebung durch Energiewende

Die geplante Energiewende kann einer Studie des DIW zufolge die Konjunktur in Deutschland nachhaltig beleben. Die deutsche Industrie könnte durch den Umbau international zum Vorreiter bei den erneuerbaren Energien werden und sich erhebliche neue Profitmöglichkeiten erschließen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - So heißt es in der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Sollten die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, könnte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2030 fast drei Prozent höher liegen als ohne Ausbau, errechneten die Berliner Forscher. Bereits 2010 sei von den erneuerbaren Energien ein Nachfrageimpuls von 35,5 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft ausgegangen. Dies habe zur Beschäftigung von fast 370.000 Menschen geführt. "Es lohnt sich in vielfacher Hinsicht für Deutschland, als Öko-Avantgarde voranzuschreiten", erklärte DIW-Chef Gert Wagner.

Auf den Arbeitsmarkt wirke sich der Ausbau der erneuerbaren Energien positiv aus, wenn auch die Effekte in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlich seien, heißt es in der Studie. Am stärksten sei der Beschäftigungszuwachs im produzierenden Gewerbe und in den unternehmensnahen Dienstleistungen, sagte DIW-Forscher Dietmar Edler. "Indirekt profitieren auch viele Sektoren außerhalb der Erneuerbare-Energien-Branche."

Einige Belastungen gäbe es jedoch

Belastet werden könnten hingegen die Wohnungsvermietung, die konventionelle Energiewirtschaft, Fahrzeugbau und Verkehrswirtschaft, schreiben die DIW-Experten. Zudem sei mit einer deutlich höheren Emission von Treibhausgasen im Kraftwerksbereich zu rechnen. Der Ausstoß könne um neun Prozent oder ungefähr 26 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Grund für den Anstieg sei, dass Kohle- und Gaskraftwerke einen Großteil des Rückganges der Atomstromproduktion ausgleichen müssten.

Für den Fall, dass alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz gingen, prognostizieren die Experten einen Anstieg des Börsenstrompreises von etwa 22 Prozent. "Auch hier würden aber gegenläufige Effekte wie eine sinkende Förderumlage auftreten, so dass die Preissteigerungen bei Haushaltsstrom mit knapp fünf Prozent sehr moderat ausfielen", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert.

Eine sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke wäre laut DIW-Studie nicht möglich, da die verbleibende Anlagenkapazität für die sichere Erfüllung der Nachfrage zu Spitzenlastzeiten nicht ausreichen würde. Realistisch sei ein stufenweiser Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2020.

Greenpeace würde Subventionen streichen wollen

Einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie zufolge könnten die geschätzten staatlichen Zusatzausgaben für die Energiewende vollständig durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen finanziert werden. Jedes Jahr könnte so ein Finanzvolumen von 5,4 Milliarden Euro für die Energiewende zur Verfügung gestellt werden, heißt es in der Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Experten schlugen fünf Sofortmaßnahmen vor: eine Abschaffung der Steuervergünstigungen bei der Energie- und Stromsteuer, eine klimafreundliche Umgestaltung der Dienstwagenbesteuerung, eine Verdoppelung der Brennelementesteuer, den Abbau der Steuerbefreiungen des Flugverkehrs und der schrittweise Abbau der Diesel-Subventionen.