Verfehlt

Studie: Energiewende-Ziele rücken in die Ferne

Den ehrgeizigen Zielen bei der Energiewende wird die Bundesregierung wohl nicht mehr nachkommen können. Einer Analyse von McKinsey & Company zufolge können von 15 Indikatoren zur Ermittlung des Status der Energiewende nur sechs noch realistischerweise erreicht werden.

Atomstrom-Ende© i12 GmbH

Düsseldorf (red) - Trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien ist das Erreichen zentraler Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 nicht mehr realistisch. Dazu zählen die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 ebenso wie die Ziele, den Primärenergie- und Stromverbrauch zu senken und mehr Windanlagen vor den Küsten auszubauen. Das ergibt sich aus den aktuellen Daten des Energiewende-Index (EWI) von McKinsey & Company. Anhand von 15 Indikatoren analysiert die Unternehmensberatung mit dem EWI seit zwei Jahren alle sechs Monate den Status der Energiewende in Deutschland.

Nur sechs Ziele können noch erreicht werden

Nur bei sechs der 15 untersuchten Indikatoren wird derzeit ein Erreichen der Ziele als "realistisch" eingestuft, berichten McKinsey & Company. Dazu zählen:

  • Ausbau der Solar-Photovoltaik
  • Eingrenzung des jährlichen Stromausfalls (in Minuten)
  • Gesicherte Reservemarge (gemessen als Anteil der verfügbaren steuerbaren Kapazität, die über die Spitzennachfrage hinausgeht)
  • Ausbau der Transportnetze
  • Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen sowohl in erneuerbaren Energien als auch in stromintensiven Industrien.

Die meisten Ziele verfehlt

Der Energiewende-Index zeigt zugleich: Die anderen neun von McKinsey untersuchten quantifizierten Ziele der Energiewende liegen nicht im Zielkorridor.

Kohlendioxid-Reduzierung: Um das 40 Prozent-Ziel der Bundesregierung noch zu erreichen, müssten die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 jährlich um 3,5 Prozent sinken. Seit 2000 gingen sie jedoch in Deutschland jährlich im Schnitt nur um ca. 0,7 Prozent zurück, trotz des erheblichen Ausbaus der erneuerbaren Energien. Der jährliche Rückgang von Treibhausgas-Emissionen müsste sich also um den Faktor fünf erhöhen.

Primärenergieverbrauch: Auch beim Gesamtverbrauch von Kohle, Öl,Gas etc. ist die Entwicklung weit entfernt vom ursprünglich angestrebten Ziel der Bundesregierung. Grund dafür sei die unzureichende Realisierung von bestehenden Energieeffizienzpotenzialen. Legt man ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent p.a. bis 2020 zu Grunde, müsste sich die Energieproduktivität in Deutschland von derzeit durchschnittlich 1,4 Prozent auf 4,3 Prozent jährlich verbessern, um das 2020er Ziel der Bundesregierung zu erreichen.

Stromverbrauch: 2013 ist der Stromverbrauch zwar gesunken, liegt aber mit 600 TWh deutlich über dem notwendigen Etappenziel von 589 TWh. Somit ist fraglich, ob das für 2020 gesetzte Ziel, den Stromverbrauch in Bezug auf das Referenzjahr 2008 um insgesamt zehn Prozent zu senken, erreicht werden kann.

Windkraft offshore: Ausbau und Anbindung der Windparks. Der Ausbau geht zwar voran, aber immer noch zu langsam. Auch gemessen an den neuen, angepassten Zielen (aktuell 6,5 GW bis 2020) liegt der Zubau deutlich unter den ursprünglich formulierten Zielen. Bei elf (von derzeit 20 geplanten) Windparks ist der Ausbau verzögert und nicht im Plan.

EEG-Umlage: Trotz der diesjährigen Reform wird sich die Kostenbelastung durch die Energiewende für Industrie und Verbraucher in den nächsten Jahren nicht deutlich verringern. Obwohl das EEG-Konto zwischen Januar und Juli 2014 von ca. -0,2 Mrd. Euro auf ca. 1,1 Mrd. Euro angestiegen ist, erwarten die Übertragungsnetzbetreiber einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage. Haupttreiber hierfür seien weiterhin tiefe Börsenstrompreise und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Prognose reiche je nach Szenario von 5,9 bis 6,9 Ct/kWh.

Haushalts- und Industriestrompreise: Die hohe EEG-Umlage trägt maßgeblich dazu bei, dass die durchschnittlichen Haushalts- und Industriestrompreise in Deutschland 46 Prozent bzw. 18 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen, Tendenz steigend. Dadurch sind auch diese beiden Indikatoren weit von ihren Zielvorgaben entfernt.

Kosten der Netzeingriffe: Netzeingriffe haben stark zugenommen, da z.B. Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien (Solar und Wind) bevorzugt eingespeist wird. Entsprechend sind die Kosten für Netzeingriffe je MWh Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien gestiegen und betrugen zuletzt rund zwei Euro/MWh oder absolut 165 Mio. Euro - eine Steigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber 2008.