Noch zu wenig berücksichtigt

Studie: Energieeffiziente Gebäude fördern Arbeitsproduktivität

Nach einer Studie des schweizerischen Bundesamts für Energie wird der Einfluss von energietechnischen Maßnahmen in Büro- und Gewerbegebäuden auf die Arbeitsproduktivität von Investoren meist viel zu wenig beachtet. Dabei seien die Personalkosten in der Regel die größte Kostenstelle eines Unternehmens.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Bern (red) - Neubau und Instandsetzung und Erneuerung bestehender Gebäude erfolgen heute meist mit dem Ziel, die Investitionskosten möglichst gering zu halten. Diese Minimierung der Investitionskosten steht aber meist in Konflikt mit der Minimierung der Lebenszykluskosten und damit der energieeffizienten Maßnahmen.

Bei Nutzbauten wie Büro- oder Gewerbegebäuden können das Komfortniveau, der Brennstoffbedarf und der gebäudebezogene Elektrizitätsbedarf durch geeignete Massnahmen erheblich verbessert oder vermindert werden. Die grössten Auswirkungen auf die Jahresenergiekosten haben Installationen zur Erhöhung des Komforts (aktive Kühlung, Lüftung) oder grundsätzliche architektonische Entscheide (z.B. Fassadentyp, architektonisches Design), so die Studie.

Bei den Investitionsentscheiden zu energieeffizienten Massnahmen wird nach Einschätzung der schweizerischen Experten ein weiterer Nutzen jedoch viel zuwenig beachtet: Vergleiche man die jährlichen Vollkosten der energierelevanten Bauteile und Anlagen (50 bis 100 Schweizer Franken pro Quadratmeter pro Jahr) mit den gesamten Kapital- und Betriebskosten (50 bis 100 Schweizer Franken pro Quadratmeter pro Jahr) und den Personalkosten (50 bis 100 Schweizer Franken pro Quadratmeter pro Jahr), zeige sich, dass hier am falschen Ort gespart werde. Wenn die in den Wirtschaftsgebäuden arbeitenden Menschen durch überhitzte oder unterkühlte Räume oder unzureichende Luftqualität leiden, hat dies einen direkten Einfluss auf die Arbeitsproduktivität und damit auf die grösste Kostenstelle.

Die Studie "Grenzkosten bei forcierten Energie-Effizienzmassnahmen und optimierter Gebäudetechnik bei Wirtschaftsbauten" liefert aktuelle Erkenntnisse zu den Kosten von Energieeffizienz-Massnahmen für die wichtigsten Kategorien von Wirtschaftsbauten und gibt Handlungsempfehlungen für Investoren und Planer von Neubauten, Betreiber und Besitzer von bestehenden Gebäuden sowie die Baubranche. Sie wird im Internet zum Herunterladen angeboten.

Auch die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sieht die Marktpotenziale der energetischen Gebäudesanierung "noch längst nicht ausgeschöpft". Auf der Tagung "Von der energetischen Gebäudemodernisierung zum Energieausweis" in Münster sagte die Ministerin, dass vor allem die Aussichten auf positive Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt Bundes- und Landespolitik von der energetischen Gebäudesanierung überzeugten.

Experten rechnen allein in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 50.000 Arbeitsplätzen, die vor allem in den mittelständischen Unternehmen der Baubranche entstehen könnten. In dem Bundesland gibt es nach ministeriumsangaben rund 3,5 Millionen Gebäude (8,3 Millionen Wohneinheiten), von denen drei Viertel vor 1980 und damit vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet worden sind. Derzeit seien 55 bis 60 Prozent der Bauleistungen im Wohnungsbau Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand. Das Marktpotenzial der energetischen Gebäudemodernisierung wird deutschlandweit auf rund 350 Milliarden Euro geschätzt. Allein im Sanitär-, Heizungs- und Klima-Bereich schlummerte ein Investitionsvolumen von bundesweit rund 57 Milliarden, landesweit ca. 15 Milliarden Euro. "Ein Schatz, den es zu heben gilt," so Thoben.

Weiterführende Links
  • Die Grenzkosten-Studie zum Download (pdf; etwa 2,8 MB) [hier klicken]