Ökobonus

Studie empfiehlt Ausweitung des Emissionshandels

Ein erweitertes globales Emissionshandelssystem in Verbindung mit einem neuartigen "Ökobonus" könnte den weltweiten Bemühungen um Klimaschutz mehr Schwung verleihen und zudem einen sozialen Ausgleich in den Klimaschutz einbauen. Wer weniger Energie verbraucht, würde direkt belohnt.

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Düsseldorf (afp/red) - Das ist das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie im Auftrag der Düsseldorfer Hans-Böckler-Stiftung. Demnach könnten sich die Staaten auf eine weltweite Institution nach dem Vorbild der Welthandelsorganisation WTO verständigen, die grenzübergreifend Zertifikate für den Kohlendioxidausstoß eines Landes vergibt. Dieser könnte zunächst pauschal auf fünf Tonnen pro Jahr und Kopf festgesetzt und im Laufe der Zeit allmählich abgesenkt werden.

Einbezogen in die globale Emissionshandels-Berechnung würde laut dem von dem Rostocker Umweltrechtsprofessor Felix Ekardt erarbeiteten Vorschlag zunächst der gesamte CO2-Ausstoß, der auf dem fossilen Primärenergieverbrauch einer Volkswirtschaft beruht - gemessen an deren Importbedarf an Erdöl, Erdgas oder Kohle. Die weltweit tätige Organisation würde Zertifikate in entsprechender Menge an die einzelnen Staaten vergeben. Die dürften diese dann untereinander handeln und anschließend könnten nationale Unternehmen die im jeweiligen Land verbliebenen Zertifikate dann zur Abdeckung ihres Energieverbrauchs erwerben.

Die zusätzlichen Kosten würden Strom- oder Treibstoffproduzenten der Studie zufolge über die Endverbraucherpreise an die Verbraucher weitergegeben. Der Staat könnte die zusätzlichen Einnahmen durch den Zertifikateverkauf im Gegenzug mit einem "Ökobonus" wieder an seine Bürger auszahlen. Geschehe dies in Form einer für alle gleichen jährlichen Pauschale, würden in diesem Modell diejenigen belohnt, die weniger Energie verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen. Wer sich bewusst für eine CO2-sparende Lebensweise entscheide oder kein Geld für einen aufwändigen und energieintensiven Lebensstil habe, werde durch die Preissteigerungen weniger belastet, erhalte aber den gleichen "Ökobonus" wie andere auch. Auf diese Weise werde auf nationaler Ebene ein sozialer Ausgleich in den Klimaschutz eingebaut.

Im globalen Maßstab hat das neuartige Emissionshandelsmodell nach Angaben des Entwicklers zudem den Vorteil, auch für einen besseren sozialen Ausgleich zwischen armen und reichen Ländern zu sorgen. Da in Industriestaaten viel mehr Energie verbraucht und viel mehr CO2 produziert wird, müssten die Unternehmen und Menschen dort viel mehr Zertifikate kaufen und die Endverbraucherpreise viel stärker erhöhen als im Süden. Da die Grundsumme der jedem Staat zur Verfügung stehenden Zertifikate pro Kopf der Bevölkerung zudem gleich sei, könnten Länder mit weniger eigenen Emissionen zudem mehr als andere verkaufen und dadurch auch mehr Geld in Form des "Ökobonus" wieder an die eigene Bevölkerung verteilen.