Ausblick

Studie: Ein Viertel des Stroms 2020 aus erneuerbaren Energien

Strom aus erneuerbaren Energien kann im Jahr 2020 bereits zu einem Viertel zur deutschen Stromversorgung beitragen und 110 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, die Kosten bleiben dabei vertretbar. Dies zeigt eine Studie, die Umweltminister Sigmar Gabriel heute in Berlin vorstellte.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Erneuerbare Energien könnten einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie und des Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Wuerttemberg (ZSW) bis 2020 bereits 25 Prozent zur deutschen Stromversorgung beitragen. "Der kräftige Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wird dabei zu vertretbaren Kosten realisierbar sein", erläuterte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Vorstellung der von seinem Amtsvorgänger Jürgen Trittin (Grüne) in Auftrag gegebenen Studie am Donnerstag in Berlin.

Die Untersuchung zeige, dass die monatlichen Kosten, durch die ein Durchschnittshaushalt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), mit denen der Ausbau gefördert wird, belastet werde, von derzeit etwa 1,50 Euro in den kommenden zehn Jahren lediglich auf 2,80 Euro ansteigen werde, sagte Gabriel. Ab 2016 würden die Belastungen dauerhaft sinken. "Die Kosten bleiben damit vertretbar", bekräftigte Gabriel. Einen ungebremsten Anstieg habe die Studie nicht nachweisen können. Dafür hätte man in Zukunft eine sichere Energieversorgung, die unendlich zur Verfügung stehe und von Preisanstiegen für Öl, Gas oder Kohle unabhängiger mache.

Durch den weiteren Ausbau könnte zudem die Zahl der derzeit etwa 130 000 Arbeitsplätze in der Branche bis 2020 mindestens verdoppelt werden. Zudem verwies Gabriel auf die weitere Reduzierung beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid. "Die Studie bestätigt, dass wir das Erreichen anspruchsvoller Klimaschutzziele trotz Ausstieg aus der Kernenergie schaffen können", sagte der Minister.

Branchenverband VDEW forderte unterdessen einen "Kurswechsel" bei der Förderung erneuerbarer Energien. Die Politik dürfe nicht länger einseitig nur auf den Mengenzuwachs bei den Erneuerbaren zielen. "Auch die Effizienz der Förderung muss deutlich gesteigert werden", betonte Roger Kohlmann, stellvertretender VDEW-Hauptgeschäftsführer.

Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie und Technologie von Bündnis 90/Die Grünen, äußerten hingegen den Verdacht, die Studie zeige keineswegs das ganze Potenzial der erneuerbaren Energien auf, sondern sei der Versuch, dieses Potenzial konsequent klein und die Kosten groß zu rechnen. "Wer für 2015 das Maximum der Kosten für die Förderung von erneuerbaren Energien mit vier Milliarden beziffert, hat die Entwicklung der Kosten der konventionellen Energien nicht berücksichtigt." Die Studie sei daher schon bei ihrer Veröffentlichung hoffnungslos veraltet.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte die Studie. Die Annahmen der Untersuchung seien bewusst konservativ gehalten. "Hätten die Gutachter auch die Entwicklung an den Energiemärkten in den vergangenen zwei Jahren berücksichtigt, wäre das Ergebnis noch deutlich positiver ausgefallen", sagte BEE-Geschäftsführer Milan Nitzschke.