13 Prozent

Studie bescheinigt Biomasse hohes Potenzial in Rheinland-Pfalz

Nach der Studie des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement könnten kurzfristig etwa vier Prozent des derzeitigen Primärenergieverbrauches in Rheinland-Pfalz von knapp 208 Milliarden Kilowattstunden durch die Nutzung von Biomasse gedeckt werden. Damit würden zwischen 600 und 750 Millionen Liter Heizöl gespart.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/sm) - Energiegewinnung aus Biomasse könnte in einigen Jahren bis zu 20 Prozent des Energiebedarfs in Rheinland-Pfalz decken. Zu diesem Schluss kommt eine vom Mainzer Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie zum Potenzial der energetischen Verwertung von Biomasse, die Umweltministerin Margit Conrad (SPD) gestern in Mainz vorstellte. Die Ministerin kündigte an, die Energiegewinnung aus Biomasse von derzeit zwei Prozent des Energiebedarfs bis 2010 verdoppeln zu wollen. Die Grünen kritisierten, die Ministerin lasse sich damit zu viel Zeit.

Die Studie war 2001 aufgrund eines Landtagsbeschlusses in Auftrag gegeben worden, nach dem der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis 2010 auf 12,2 Prozent gesteigert werden soll. Neben der Geothermie präsentierte Conrad nun als zweite Säule die Energiegewinnung aus Biomasse, der Verbrennung von Holz oder anderen Pflanzen sowie der Vergärung von Gülle oder Pflanzenresten.

Nach der Studie des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement des Umwelt-Campus Birkenfeld könnten kurzfristig etwa vier Prozent des derzeitigen Primärenergieverbrauches im Land von knapp 208 Milliarden Kilowattstunden durch die Nutzung von Biomasse gedeckt werden. Damit könnten zwischen 600 und 750 Millionen Liter Heizöl gespart werden, hieß es weiter.

Mittel- bis langfristig könnten sogar 13 Prozent des Stromverbrauchs aus Biomasse gedeckt werden. Bei gleichzeitigen Energiesparmaßnahmen könne dieser Anteil sogar auf bis zu 20 Prozent erhöht werden. Das größte kurzfristig verfügbare Potenzial sehen die Macher der Studie mit 70 Prozent im Bereich der Holznutzung. Rund 25 Prozent könnten durch die Vergärung oder Verbrennung von Pflanzen erzielt werden.

Conrad sah denn auch ein großes Potenzial für die Landwirtschaft der Zukunft: Durch den Anbau von Energiepflanzen könnten Landwirte künftig alternative Einkommensquellen erschließen, betonte sie. Zugleich würden so derzeitige Probleme bei der Beseitigung oder Lagerung von Gülle und Pflanzenresten gelöst. Nach Angaben des Ministeriums gibt es derzeit mehr als 200 kleinere und größere Biomasse-Anlagen im Land, davon neun Holzheizkraftwerke mit Stromerzeugung, 137 Holzhackschnitzelheizwerke, 36 Biogasanlagen, 21 Deponiegas- und 26 Klärgas-Blockheizkraftwerke.

Der Energieexperte der Grünen, Bernhard Braun, kritisierte hingegen, Conrad bleibe einen Ausblick auf konkret geplante Maßnahmen "schuldig" und lasse sich mit der Verdoppelung der Energienutzung aus Biomasse zu viel Zeit. Die Studie zeige den "dringenden Handlungsbedarf" und mache deutlich, dass eine Verdoppelung der Energienutzung aus Biomasse bereits in ein bis zwei Jahren möglich sei.