Abzocke?

Studie: Aktuelle Strompreiserhöhungen nicht gerechtfertigt

Der Ärger über die für 2009 angekündigten Strompreiserhöhungen wächst. Eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen wirft den vier großen Energiekonzernen E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW vor, Milliardengewinne auf Kosten der privaten Haushalte einzufahren.

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Berlin (ddp/sm) - In den vergangenen fünf Jahren haben die vier großen Stromkonzerne ihre Gewinne offenbar mehr als verdreifachen können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundestagsfraktion der Grünen, von der die "Berliner Zeitung" berichtete. Aus der Studie, die dem Blatt vorliegt, gehe hervor, dass gleichzeitig die Strompreise um mehr als die Hälfte gestiegen seien. Die Autoren der Studie machten für die enormen Gewinnsteigerungen der Energiekonzerne vor allem den starken Anstieg der Strompreise verantwortlich.

So seien die Preise für Haushaltsstrom zwischen 2000 und 2007 um rund 50 Prozent gestiegen, heißt es. Weniger als die Hälfte davon sei staatlich induziert, also auf die Erhöhung von Steuern oder Abgaben zurückzuführen. Allein in diesem Jahr stieg der Strompreis vor Abgaben und Steuern laut Autoren um rund 6,5 Prozent. Nach dem Rekordjahr 2007, als sich die Konzerngewinne von E.ON, Vattenfall, EnBW und RWE auf knapp 20 Milliarden Euro summiert hätten, konnten die Unternehmen laut Expertise bis zum Ablauf des dritten Quartals ihren Gewinn im Schnitt um weitere elf Prozent steigern.

"Auch für 2008 deutet sich trotz Finanzkrise abermals ein Rekordgewinn an, wenn man die Zahlen der ersten neun Monate bis zum Jahresende fortschreibt", heißt es in dem Entwurf der Studie, die unter Federführung von Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes erstellt wurde. Die Autoren der Studie vermuten zudem, dass der E.ON-Konzern, der im Februar die Preise um rund neun Prozent erhöht, im Zuge der Finanzkrise Milliarden verloren hat. Im letzten Quartalsbericht habe E.ON eine Erhöhung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 77 Prozent ausgewiesen. Der Verlust von fünf Milliarden Euro entspreche in etwa der Hälfte des erwarteten Jahresergebnisses, schreibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). "Das verlorene Geld darf der Konzern nicht über ungerechtfertigte Erhöhungen der Strompreise hereinholen", sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn.

Die vier großen Strom-Unternehmen in Deutschland machten "Monopolpreise", sagte denn auch SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber den "Ruhr Nachrichten". Man könne "nur alle Verbraucher auffordern, von den großen vier Konzernen zu billigeren zu wechseln", lautet sein Rat. Auch Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), kritisiert die Preispolitik der Monopolisten, die über 80 Prozent der Stromproduktion kontrollieren. Sie appelliert ebenfalls an die Macht der Kunden: "Wechseln Sie zu billigeren Anbietern." Zwar habe der Anteil der Wechsler im letzten Jahr bereits deutlich zugenommen, auf knapp 20 Prozent. Aber: "Besser wäre es, wenn 50 Prozent oder mehr" einen neuen Stromanbieter auswählen würden, sagte sie dem Blatt.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) teilte unterdessen mit, dass die Stromrechnungen hoch mit Steuern und Abgaben belastet seien. Die staatliche Belastung mache 2008 im Bundesdurchschnitt rund 40 Prozent der Stromrechnung eines Drei-Personen-Musterhaushalts aus. 1998 seien es noch 25 Prozent gewesen. Der reine Strompreis - vor Steuern und Abgaben - betrage in diesem Jahr für einen entsprechenden Haushalt rund 38 Euro im Monat. Dieser Wert liege auf dem Niveau von 1998.

Im kommenden Jahr will etwa die Hälfte der 900 deutschen Stromversorger die Preise im Schnitt um 8,4 Prozent erhöhen. E.ON hat für Februar, RWE für April höhere Preise angekündigt. Insgesamt sind 48 Millionen Bundesbürger betroffen.