Klassifizierungssystem

Stromwirtschaft will Materialwirtschaft verbessern

Um die Prozesskosten zu reduzieren will sich die Energiewirtschaft in Deutschland dem international gültigen "eCl@ss"-Standard anschließen. Damit würde auch der Beschaffungsmarkt für alle Unternehmen transparenter, hieß es von Seiten des federführenden VDEW heute in Berlin.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die deutsche Stromwirtschaft will mit einem brancheneinheitlichen Klassifizierungssystem in der Materialwirtschaft erhebliche Einsparungen erzielen und damit auf den Kostendruck reagieren. Dazu soll der "eCl@ss"-Standard, der bereits seit 2000 von zahlreichen international ausgerichteten Unternehmen beispielsweise der Chemie- und der Automobilindustrie genutzt wird, in einem mehrphasigen Verbandsprojekt um die speziellen Anforderungen der Elektrizitätsunternehmen erweiterte werden, berichtete heute der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW).

Ziel dieser Verbesserung der Materialwirtschaft sei es, die Prozesskosten zu reduzieren, die Lieferantenauswahl zu erweitern und den unternehmensinternen Verwaltungsaufwand zu verringern. Bei einem großen regionalen Energieversorger mit einem Einkaufsvolumen von etwa 200 Millionen Euro im Jahr könnten laut VDEW durch eine optimierte Materialwirtschaft bis zu 40 Millionen Euro Einsparungen erreicht werden.

Der Branchenverband und der Verein eCl@ss haben in einer Projektgruppe für das branchenübergreifende Klassifizierungssystem nun knapp 700 Änderungen für den optimierten Einsatz in der Energiewirtschaft ermittelt, berichtete der VDEW. "Die angestrebte Integration der Produkt- und Dienstleistungsanforderungen der Energiewirtschaft in den Standard eCl@ss wird es den international agierenden Unternehmen möglich machen, mit einer Sprache auf dem globalen Beschaffungsmarkt aufzutreten", erläuterte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller den Hintergedanken.

Mit dem branchenübergreifenden Klassifizierungssystem für Materialen und Dienstleistungen könne nicht nur die Materialwirtschaft in den Unternehmen optimiert werden. Zugleich werde mit der Anwendung des neuen internationalen Standards der Beschaffungsmarkt für alle Unternehmen transparenter: "eCl@ss wird weltweit immer häufiger bei der elektronischen Beschaffung genutzt. Das System ist in sieben Sprachen - darunter chinesisch und tschechisch - verfügbar", erklärte Friedhelm Hausmann, Vorstandsvorsitzender des eCl@ss e. V., Köln. Die verstärkte Zusammenarbeit mit dem VDEW sei ein wichtiger Schritt, die Vorteile des Systems auch für die Energiewirtschaft zu erschließen.

In Deutschland wird voraussichtlich Mitte 2006 ein zusätzlicher Baustein des Klassifizierungssystems für die Energiewirtschaft zur Verfügung stehen, berichtete der VDEW. In diesem "Service Pack" sei bereits ein Teil der VDEW-Verbesserungen eingearbeitet. Speziell für kleine und mittlere Energieversorger plane der VDEW ab Mitte 2006 Informationsveranstaltungen. Im Mittelpunkt sollen dabei Tipps für den wirtschaftlichen Einsatz des Systems stehen.