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04.01.2010, 15:51 Uhr

Strom-News

Kohle vor dem aus?

Stromversorger scheitern bei neuen Kohlekraftwerken

Mitte Dezember zog sich Dong Energy aus dem geplanten Steinkohlekraftwerk in Lumbin zurück. Zuvor hatte schon EnBW sein Projekt in Dörpen gekippt, Konkurrent E.ON muss für sein Kraftwerk Datteln die Planungen überarbeiten. Immer öfter gehen die vorgesehenen Kohlekraftwerksprojekte in Rauch auf: Kiel, Bremen, Emden, Enzdorf, Quierschied sind weitere Beispiele.

Berlin (ddp/red) - Nach langem Streit um den Bau eines Steinkohlekraftwerkes in Lumbin in Mecklemburg-Vorpommern hat der dänische Energieriese bei seinem zwei Milliarden Euro teuren Vorhaben die Notbremse gezogen, auch andere Kohlekraftwerksprojekte sind in den letzten Wochen und Monaten gescheitert.

Geplante Kraftwerke würden mehr als nötig produzieren

Neben Bürgerprotesten durchkreuzten zunehmend auch die Klimaschutzziele der Politik die Vorhaben, erläutert BUND-Energieexperte Thorben Becker. Wegen der Pläne beim Emissionshandel würden Kohlekraftwerke schnell unwirtschaftlich. Betreiber müssten für ihre Kraftwerke nämlich Zertifikate zukaufen. Hinzu kommt, dass der Strom aus erneuerbaren Energien im Netz Vorrang hat. Solange aber beispielsweise der Wind nicht stetig bläst und die Sonne nicht regelmäßig scheint, wird es dabei Schwankungen geben, die konventionelle Kraftwerke ausgleichen müssten.

Doch die sollen mit geplanten 7600 Volllaststunden pro Jahr eigentlich durchgehend arbeiten, sagt Becker. Deutschlandweit wurden nach BUND-Angaben seit einer "Neubau-Welle" vor zwei Jahren rund 30 Kohlekraftwerke neu geplant. Davon sind laut den Umweltschützern elf Vorhaben schon wieder gestrichen, zwei weitere stehen vor dem Aus.

Kohlekraftwerk Dörpen gescheitert - E.ON kämpft für Datteln

Im emsländischen Dörpen etwa scheiterte EnBW an der lokalen Wirtschaft. Der vorgesehene Abnehmer der Kraft-Wärme-Koppelung, ein ortsansässiger Papierhersteller, will lieber ein emissionsärmeres Gaskraftwerk bauen.

Im nordrhein-westfälischen Datteln muss E.ON die Aufstellung des Bebauungsplanes für sein Steinkohlekraftwerk neu beantragen. Zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht Münster moniert, dass die Stadt gesetzliche Vorgaben zum Naturschutz und zum Schutz der Bevölkerung nicht im Flächennutzungsplan beachtet habe. Um dem Konzern den Weg für das Projekt zu ebnen, hat die Landesregierung vor Weihnachten noch eine Änderung des Landesentwicklungsgesetzes beschlossen. Neue Kraftwerke seien auch aus Klimaschutzgründen sinnvoll, heißt es.

Branche hält Kohlekraftwerke für unverzichtbar

Der Branchenverband BDEW verweist grundsätzlich auf den Erneuerungsbedarf im Kraftwerkspark der Branche. Wichtig sei ein vernünftiger Energiemix in Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Dazu müsse es auch Technologien geben, die die Kohleverstromung ermöglichten. Ein Weg sei die CCS-Technologie zur Speicherung des Klimagases CO2. Bekommen neue Technologien eine Chance, dann habe die Kohleverstromung eine Zukunft. Immerhin kämen derzeit noch 42 Prozent des Stroms in Deutschland aus der Kohle.

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) plädiert trotz des Klimawandels für den Bau neuer Kohlekraftwerke. Diese seien "viel, viel effizienter" als ihre Vorgänger. Da sie auch in Teillast gefahren werden könnten, um Schwankungen zum Beispiel bei der Windenergie auszugleichen, seien sie für eine Übergangszeit bis zur nahezu vollständigen Versorgung mit regenerativen Energien erforderlich.

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