VDEW-Jahresbericht 2000

Strompreise steigen wieder

Der Spitzenverband der Elektrizitätswirtschaft VDEW hat jetzt für das Jahr 2000 Bilanz gezogen. Wichtigstes Fazit: Die Strompreissenkungen wurden durch die neuen staatlichen Abgaben zunichte gemacht.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
"Die deutsche Stromwirtschaft unterstützt die Initiative der EU-Kommission, die Öffnung des Strommarktes zu beschleunigen. Allerdings müssen die Wettbewerbsverzerrungen durch die unterschiedlichen Öffnungsgrade schnellstens beseitigt werden." Das forderte Günter Marquis, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) zu Beginn der Vorstellung des Jahresberichtes in Frankfurt am Main. Während in Deutschland, Finnland, Schweden und Großbritannien der Markt zu 100 Prozent geöffnet sei, gilt der Wettbewerb in den übrigen elf EU-Staaten nur für Großkunden. Der EU-Strommarkt der unterschiedlichen Geschwindigkeiten bedeutet laut VDEW vor allem für Deutschland, dem größten Markt im Zentrum Europas, erhebliche Wettbewerbsverzerrungen: "Während alle ausländischen Stromunternehmen in Deutschland agieren können, ist der umgekehrte Weg vielfach noch versperrt", kritisierte Marquis. "Die deutsche Stromwirtschaft erwartet von der Bundesregierung, dass sie den EU-Wettbewerb fördert und für Chancengleichheit sorgt".


"Der Wettbewerb im deutschen Strommarkt ist ohne Regulator schneller in Fahrt gekommen als in Ländern mit Regulator", reagierte Marquis auf die in den vergangenen Monaten vielfach geäußerte Kritik an der Verbändevereinbarung. "Natürlich gab es Anlaufschwierigkeiten und es gibt Umsetzungsprobleme", räumte Marquis ein. Ursache sind seiner Meinung nach jedoch nicht die Regelungen, sondern vielmehr deren Anwendung, bei der teilweise improvisiert werden müsse. Aus diesem Grund unterstützt der VDEW die Mitglieder mit dem "Aktionsplan Wettbewerb", damit Umsetzungsprobleme schnell ausgeräumt würden.


Die Strompreissenkungen seit der Liberalisierung bezifferte Marquis mit 15 Milliarden DM pro Jahr. Jedoch werde dieser "Kraftakt der Stromwirtschaft" zunehmend durch die Politik zunichte gemacht: "Auf zehn (1999: sechs) Milliarden DM kletterten 2000 die Sonderlasten, die den Stromkunden vom Staat abverlangt werden", rechnet der VDEW vor. Im Jahr 2001 würden die Belastungen durch Öko-Steuer, Erneuerbare-Energien-Gesetz und Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz auf etwa 12,5 Milliarden DM steigen. Beim Durchschnittshaushalt betrage der Staatsanteil an der Stromrechnung - einschließlich Mehrwertsteuer - inzwischen etwa 40 Prozent. Die Zeit des günstigen Stroms sei demnach vorbei.