Prognosen

Strompreise sollen nach Energiewende kaum steigen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) rechnet nach einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochsausgabe) bei der geplanten Energiewende nur mit einer moderaten Verteuerung der Strompreise. Insgesamt sei mit ähnlich vielen preisdämpfenden wie preissteigernden Faktoren zu rechnen.

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Berlin (dapd/red) - Der Preis für die Kilowattstunde Strom werde sich in den nächsten Jahrzehnten nur um 0,1 bis maximal 0,9 Cent erhöhen, wenn die Pläne der Bundesregierung für eine Energiewende umgesetzt würden, habe Röttgen laut Teilnehmerangaben vor den Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe in der Sitzung von einer Zäsur gesprochen und einen schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie als unumgänglich bezeichnet.

Strompreise fallen und sinken gleichermaßen

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird der beschleunigte Umbau des Energiesystems die deutsche Energiewirtschaft bis zu 200 Milliarden Euro kosten. Dennoch würden sich die Strompreise für Verbraucher und Industrie "nur leicht erhöhen, da es genauso viele preissteigernde wie preissenkende Wirkungen gibt", sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Die Investitionen würden Strom tendenziell verteuern. "Doch die Importe wirken preissenkend, da der Strom aus dem Ausland billiger ist. Auch die Zunahme des Wettbewerbs könnte sich senkend auf den Preis auswirken", sagte Kemfert.

Der Chef der Deutschen-Energieagentur (Dena), Stephan Kohler, fordert den Neubau von 15 bis 20 Gas- und Kohlekraftwerken bis zum Jahr 2020. Dies sei erforderlich, "um den Wegfall der Kernenergie und der alten Kohlekraftwerke zu kompensieren, die aus Klimagründen ja gleichzeitig vom Netz gehen sollen", sagte Kohler der "Rheinischen Post". Die Politik müsse rasch klären, "wer, wo und wann die notwendigen Kraftwerke und die Netzkapazitäten für die erneuerbaren Energien" schaffen werde. "Wenn wir das alles in diesem Jahrzehnt hinbekommen, ist ein endgültiger Atomausstieg zwischen 2020 und 2023 realistisch", sagte Kohler. Die Dena berät seit dem Jahr 2000 die Bundesregierung in Fragen der Energieversorgung.