Bilanz

Strompreise 2005 um vier Prozent gestiegen

Mit einer umfassenden Bilanz hat heute auch der Energie-Branchenverband VDEW die Hannover Messe eröffnet: Der Strompreisstatistik, die staatliche Abgaben und Steuern als den größten Preistreiber geißelt, wurden geplante Investitionen in Höhe von über vier Milliarden Euro gegenübergestellt. Forderungen zum neuen EnWG gab es auch.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hannover (ddp/sm) - Die Strompreise sind im Jahr 2005 um vier Prozent gestiegen. Ein Drei-Personen-Haushalt zahlt monatlich fast 54 Euro für Strom, sagte der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Werner Brinker, heute auf der Hannover Messe.

Der Anstieg falle deutlich geringer aus als der Preisauftrieb anderer Energien, die bis zu einem Drittel teurer wurden, führte er aus. Der reine Strompreis von 33 Euro liege immer noch fast zwölf Prozent unter dem Wert von 1998 zu Beginn des Wettbewerbs am Strommarkt. Steuern und Abgaben seien jedoch um knapp das Doppelte gewachsen. So mache der Staatsanteil an der Stromrechnung nun etwa 40 Prozent aus.

Im Jahr 2005 könnten die Investitionen der Stromwirtschaft nach Ansicht des VDEW erstmals seit 1999 wieder über vier Milliarden Euro steigen. "Diese positive Tendenz könnte der erste Schritt zu einem neuen Investitionszyklus sein", sagte Brinker. Dafür seien jedoch rechtliche und politische Rahmenbedingungen notwendig, insbesondere im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG).

Nach Ansicht von Brinker sei eine kapitalmarktorientierte Verzinsung des eingesetzten Kapitals Voraussetzung für Investitionen. Der VDEW forderte deshalb eine verlässliche rechtliche Grundlage für die Einführung der Anreizregulierung. "Eine Verordnung muss her", sagte Brinker. Die Bundesregierung dürfe nicht die Fehler anderer europäischer Staaten wiederholen und nach der Methode "Versuch und Irrtum" vorgehen.

Eine spezielle Belastung der Strompreise bildeten vor allem die steigenden Steuern und Abgaben, die für die Industrie nahezu 22 Prozent ausmachten. Für die Investitionen von 40 Milliarden Euro in den nächsten Jahren zur Ersetzung der Kraftwerksenergie brauche die Branche schnell ein neues EnWG. Bis zum Jahr 2020 müsse eine Ersatzkapazität von bis zu 50 000 Megawatt Leistung geschaffen werden.

Als Reaktion auf die heutigen Veröffentlichungen des VDEW forderte die energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gudrun Kopp, eine Ende der rot-grünen Ökoromantik in der Energiepolitik. "Deutschland braucht keine immer neuen, ineffizienten Windkraftanlagen und Ökoumlagen, sondern endlich energiepolitische Weichenstellungen, die auf Markt und Wettbewerb setzen. Nur so lassen sich auch die Kosten für Unternehmen und private Haushalte wieder auf ein erträgliches Maß zurückführen", brachte Kopp ihre Kritik auf den Punkt.