Atomausstieg erleichtern

Stromnetz der Deutschen Bahn statt Netzausbau

Die Bundesregierung will die Energiewende nach "Spiegel"-Informationen mit Hilfe der Deutschen Bahn angehen. Das konzerneigene Stromnetz könnte demnach zumindest teilweise den umstrittenen Bau neuer Stromtrassen ersetzen und somit den Atomausstieg und den Ausbau erneuerbarer Energien erleichtern.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - "Wir werden das prüfen", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) dem Magazin. Details sollen nach Ostern bei einem Treffen von Fachleuten aus dem Verkehrs- und Wirtschaftsministerium, der Bahn und der Bundesnetzagentur geklärt werden.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jedenfalls begrüßt die Idee: "Eine enge Kooperation mit der Deutschen Bahn im Rahmen des Ausbaus des Stromverbundnetzes halte ich für wünschenswert", sagte er dem "Spiegel". Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger halte entsprechende "Pilotprojekte" in Deutschland für "sehr nützlich".

Die Bundesnetzagentur setze ebenfalls auf die Bahn: "Angesichts des gewaltigen Ausbaubedarfs sollten alle Möglichkeiten" geprüft werden, sagte Präsident Matthias Kurth. Die Bahn verfüge über "das einzige flächendeckende Stromnetz, das wir in Deutschland haben".

Bahn hat zweitgrößtes Stromnetz in Deutschland

Wie das Magazin weiter berichtete, ist das Hochspannungsnetz der Bahn mit 7.800 Kilometern das zweitgrößte Deutschlands - nach dem des Energiekonzerns RWE. Bisher nutzt die DB ihre Stromtrassen allein. Um auch Privathaushalte und Industrie zu versorgen, wären einige Erweiterungen nötig. Die Spannung müsste den anderen Stromnetzen angepasst, die Übertragungsleistung erhöht werden. Dafür sind zumindest teilweise höhere Masten und neue Kabel erforderlich.

Bahn-Chef Rüdiger Grube sorge sich indes um die Kosten. Er stehe "den Überlegungen kritisch gegenüber", zitiert der "Spiegel" aus einem Brief Grubes an den CSU-Abgeordneten Georg Nüßlein.