Schwierige Lage

Stromkonzerne: Vom Lieblingskind zum Buhmann

Vom Lieblingskind zum Buhmann der Nation: Das Jahr 2011 hatten sich die vier Energieriesen in Deutschland, RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW, sicherlich anders vorgestellt. Der Zickzackkurs der Politik hat die Bilanzen einbrechen lassen; die großen Vier sind die Verlierer der Energiewende. Doch ohne sie wird es auch künftig nicht gehen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Karlsruhe (dapd/red) - Der schwedische Konzern Vattenfall und die EnBW müssen in ihren Bilanzen wegen der Brennelementesteuer und des beschlossenen Atomausstiegs hohe operative Verluste ausweisen.

Beim zweitgrößten deutschen Stromanbieter RWE wurde die Bonitätswertung durch die Ratingagentur Moody's zurückgestuft. Als Gründe nannte die Agentur, dass die Gewinne des Konzerns durch die Brennelementesteuer, die vergleichsweise niedrigen Strompreise, den Gaspreisverfall und den Atomausstieg in Deutschland unter Druck geraten seien.

"Die Verlierer der Energiewende sind ganz klar die großen Vier", sagt der Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Manuel Frondel. "Sie verlieren die Milchkühe und sollen sie durch eine weniger ergiebige Ziegenherde ersetzen." Die für die Konzerne lukrativen Atomkraftwerke müssen bis 2022 vom Netz sein, so will es die deutsche Politik. Gleichzeitig sollen die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden.

"Politik fährt einen Zickzackkurs"

Lange haben die großen Vier auf die Kernkraft gesetzt und sich dabei vor allem auf Politiker von Union und FDP verlassen. Die taten ihnen zunächst den Gefallen und beschlossen 2010 eine Laufzeitverlängerung der Meiler, die nach der Reaktorkatastrophe in Japan wieder verworfen wurde.

"Die Politik fährt einen Zickzackkurs", kritisiert der Deutsche-Bank-Analyst Josef Auer. "Das kann gut kalkulierte Kraftwerksinvestitionen über Nacht völlig entwerten und zu Verlustbringern machen."

Nach der Entscheidung des Bundes für einen Atomausstieg haben die Energiekonzerne ihren Widerstand gegen die Brennelementesteuer verstärkt. Sowohl EnBW als auch E.ON und RWE haben Klagen eingereicht. Bank-Analyst Auer sagt, "es wäre vielleicht aus pädagogischer Sicht nicht schlecht", wenn die Versorger sich vor Gericht durchsetzen. Energiepolitik müsse verlässlich sein - für die Verbraucher, aber auch für Investoren und Kraftwerksbetreiber.

"Know-how der großen Vier für Energiewende unverzichtbar"

Dennoch glaubt Auer nicht daran, dass EnBW und Co. über die Energiewende stolpern könnten. "Ihr Know-how, ihre internationale Erfahrung sowie ihre nach wie vor große Finanzierungskraft sind für die anstehenden Milliardeninvestitionen sehr willkommen, weil unverzichtbar", sagt er.

Allerdings geraten die Investitionsspielräume bei schrumpfenden Gewinnen in Gefahr. EnBW hat deswegen ein großes Effizienzprogramm aufgelegt und plant Veräußerungen, um sich finanziell freizustrampeln. Die anderen großen Energiekonzerne haben ähnliche Programme.

EnBW ist zudem der letzte der Wettbewerber, der noch an einem eigenen Netz festhält. Allerdings wird im Konzern bereits laut über Teilveräußerungen nachgedacht. Die Netze versprechen zwar stabile Renditen, erfordern aber auch hohe Investitionen.

Die Konzerne müssen investieren, zugleich gehen die Kosten für CO2-Zertifikate nach oben, weil der Bedarf steigen wird. Denn den wegfallenden Atomstrom und die Schwankungen bei den erneuerbaren Energien müssen wohl vor allem Gas- und Kohlekraftwerke ausgleichen.

"Die höheren Kosten werden eingepreist, die Endkunden bekommen es auf jeden Fall zu spüren", sagt RWI-Experte Frondel. Er geht von Mehrkosten von vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde aus, die Deutsche Energie-Agentur rechnet mit einer ähnlichen Größenordnung.