Negativ-Preis

Stromkonzerne bekommen die "verschlossene Auster"

Jedes Jahr verleiht die Jounalistenvereinigung netzwerk recherche die "verschlossene Auster" an den "Informationsblockierer" des Jahres. 2010 bekam die katholische Kirche den Preis, 2011 sind es die großen Stromversorger RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON. Kritisiert wird das Kommunikationsverhalten der Unternehmen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (red) - "Die Erkenntnis lautet: Die Zeit der Atomenergie ist abgelaufen. Die Atomverstromung hat ihre gesellschaftliche Akzeptanz verloren. Nur unsere Preisträger, die Atomenergiekonzerne E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall, wehren sich dagegen", so der Journalist Heribert Prantl in seiner Laudatio.

"Verharmlosung von Gefahren"

Die Konzerne hätten jahrelang die Sicherheit und Sauberkeit der Atomkraft angepriesen. "Der Preis wurde bisher immer verliehen dafür, dass der Öffentlichkeit nichts oder wenig gesagt wurde. Das kann man von der Atomindustrie wirklich nicht sagen. Die Atomindustrie kommuniziert wie der Teufel", so Prantl weiter. "Die Atomkonzerne werden ausgezeichnet für gefährlich einseitige, marktmächtige Information, sie werden ausgezeichnet für die Verharmlosung von Gefahren, für exzessiven Lobbyismus".

Gegenrede: "Vergabekriterien über Bord geworfen"

Grund für die Preisverleihung sei zudem, dass selbst die Atomkatastrophe in Japan nichts an dem Kommunikationsverhalten der Konzerne geändert habe und gar noch Klagen geplant seien. Volker Heck, Sprecher des Energiekonzerns RWE sowie Guido Knott, Sprecher bei E.ON, nahmen den Preis entgegen. In seiner Gegenrede kritisierte Knott, man habe "kurzerhand alle Vergabekriterien über Bord geworfen und neue definiert". Offenbar sollten die Konzerne den Preis "unbedingt erhalten, auf Teufel komm raus".

E.ON-Sprecher: Auszeichnung nicht gerechtfertigt

E.ON beispielsweise habe genausoviel Erzeugungskapazität in erneuerbaren Energien wie in Atomkraft. Mit Intransparenz, was ja ein Kriterium für die Preisvergabe sei, habe die Kommunikation der Konzerne nichts zu tun. Dass die Unternehmen ihre Meinung und ihren Standpunkt nach außen vertreten und damit nicht dem Mainstream entsprächen, rechtfertige nicht die Auszeichnung. "Daher bleibt für mich unterm Strich ein Preis, den es zu verleihen galt für ein Thema, an dem kein Medienvertreter vorbeigehen konnte - mit einer Begründung, die nur dann nachvollziehbar ist, wenn man das Vertreten von Positionen, die aus Sicht der Vergabejury politisch falsch sind, als preiswürdiges Verhalten betrachtet. Den Preis der 'verschlossenen Auster' nehme ich daher entgegen, aber nicht an."

Die komplette Laudatio und Gegenrede gibt es bei netzwerk recherche.