Einigung

Stromfluss nach Polen soll kanalisiert werden

Die Konflikte, die sich aus dem Stromfluss von Deutschland nach Polen ergaben und die immer wieder zu Ärger zwischen den Nachbarländern führten, könnten bald der Vergangenheit angehören. Überschüssiger Strom aus Deutschland hatte oft die Netze in Polen und Tschechien beeinflusst. Nun soll der Stromfluss kontrollierbar werden.

Polen© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Linden (red) – Der Stromfluss zwischen Deutschland und Polen führt seit Längerem zu Diskussionen. Wird in Deutschland zu viel Ökostrom produziert, folgt der Strom den physikalischen Gesetzen und wandert in die Nachbarnetze ab. Bei der großen Menge an Windenergie, die im Norden Deutschlands produziert wird, ist gerade Polen dann oft gezwungen, Notabschaltungen durchzuführen - deren Netze sind dadurch schlichtweg überlastet. Auch die tschechischen Netzbetreiber sind betroffen, da der Strom anschließend noch weiter abwandert.

Kontrollierter Stromfluss

Für die Netzbetreiber in Polen ist das eine ungünstige Situation, weil die Netzfahrpläne damit völlig durcheinander geraten. Beschwerden gab es in Brüssel und Berlin deshalb zu Genüge. Im Gespräch zwischen Ministerpräsident Donald Tusk und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Warschau konnte am Mittwoch eine Regelung festgelegt werden, berichtet die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Riesige Anlagen an den Grenzen zu Polen und Tschechien sollen den Stromfluss kanalisieren. Laut 50Hertz-Chef Boris Schucht wirken die sogenannten Phasenschieber dann als Ventile.

Handel mit Strom

Damit ergäben sich für alle betroffenen Länder Vorteile. Zunächst könne nun mit dem Strom gehandelt werden. Die Nachbarländer wollen den Import, Deutschland will den Ökostrom häufiger loswerden. Erst am Mittwoch mussten deutsche Anlagen abgeschaltet werden, um eine Überlastung zu verhindern. Gleichzeitig werde auch abgesichert, dass der Strom, der künftig über lange Trassen vom Norden in den Süden Deutschland geleitet werden soll, nicht in die Nachbarländer abwandere.

Für die Phasenschieber sollen 300 Millionen Euro veranschlagt werden. Die Hälfte davon würde laut Bericht 50Hertz zahlen und den Betrag dann auf den Strompreis umlegen.