Machtlos gegen Schneechaos

Stromausfälle: Gutachten spricht RWE von Mitverantwortung frei

Mit einem weiteren Gutachten - diesmal von unabhängigen Einrichtungen wie dem TÜV oder dem Wetterdienst - will der Energieversorger RWE seine Unschuld am Schneechaos im Münsterland Ende letzten Jahres nachweisen. Auch hier ist das Ergebnis eindeutig: Schuld was die überdurchschnittliche Schnee- und Eislast.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Der Energiekonzern RWE trägt einem Gutachten zufolge keine Mitverantwortung für die großflächigen Stromausfälle während der Schneekatastrophe im Münsterland im November 2005. Nach der von RWE in Auftrag gegebenen und am Mittwoch in Essen vorgestellten Untersuchung war allein die extreme Wetterlage Auslöser der zahlreichen Masteinstürze und damit der Stromausfälle. Hinweise auf Materialfehler der Masten oder mangelnde Wartung gebe es nicht.

Damit bestätigt die von mehreren unabhängigen Einrichtungen - darunter TÜV, Deutscher Wetterdienst und Universität Duisburg-Essen - erstellte Untersuchung die bisherige Argumentation des Energieversorgers. RWE hatte stets auf die außergewöhnlichen Wetterumstände verwiesen und eine Haftung für Schäden abgelehnt.

Auch das Gutachten sieht in der überdurchschnittlichen Schnee- und Eislast auf den freihängenden Starkstromleitungen die Ursache für die Masteinstürze. Die gesetzlich festgelegte Höchstbelastung des Materials sei um das 6- bis 14-Fache überschritten worden. Bei "normgemäßer Belastung" seien alle in Mitleidenschaft gezogenen Masttypen standsicher gewesen.

Insgesamt waren im Münsterland 82 Strommasten umgeknickt. Als Folge waren bis zu 250 000 Menschen zum Teil mehrere Tage ohne Strom. 52 umgestürzte Masten bestanden aus dem veralteten und wegen angeblicher Brüchigkeit in die Kritik geratenen, heute nicht mehr verwendeten Thomasstahl. Auch hier hat das Gutachten keine Materialversprödung festgestellt.

Als Konsequenz aus der Schneekatastrophe kündigte RWE bei der Vorstellung des Gutachtens ein unabhängiges Netz-Audit durch den TÜV Süd und den TÜV Rheinland an. Künftig werden beide Behörden die Bau- und Instandhaltungskonzepte für das RWE-Stromnetz regelmäßig prüfen und zertifizieren. Damit reagiert RWE auf öffentliche Vorwürfe mangelnder Transparenz bei der Kontrolle seines Stromnetzes. Aktuell bezifferte RWE die für den Konzern entstandenen Schäden durch die Schneekatastrophe auf 30 Millionen bis 50 Millionen Euro. Für von den Stromausfällen besonders betroffene Bürger hat der Konzern einen Härtefallfonds von fünf Millionen Euro aufgelegt, der "voll ausgeschöpft" werden soll, wie RWE-Energy-Vorstand Berthold Bonekamp sagte. Bisher seien 3,5 Millionen Euro ausgezahlt worden.

Von Frank Bretschneider