Energieversorgung Brasiliens

Stromanbieter E.on expandiert nach Brasilien

Der Stromanbieter E.on schließt ein Bündnis mit dem reichsten Mann Brasiliens. Gemeinsam planen sie 20 Prozent des brasilianischen Energiemarktes einzunehmen. E.on will damit zum größten privaten Stromanbieter Brasiliens aufsteigen. Die Transaktion soll im zweiten Quartal dieses Jahres über die Bühne gehen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (dapd/red) - Der vom Atomausstieg gebeutelte Energiekonzern E.on will zum größten privaten Stromanbieter Brasiliens aufsteigen. Dazu schließt der Energieriese ein Bündnis mit dem reichsten Mann Brasiliens, dem Unternehmer Eike Batista.

Gemeinsam mit dessen Energieunternehmen MPX will der Düsseldorfer Stromanbieter in Südamerika Kraftwerksprojekte mit einer Gesamtkapazität von rund 20.000 Megawatt entwickeln und sich einen Anteil von 20 Prozent am Erzeugungsmarkt des wachstumsstarken Schwellenlandes sichern, wie beide Seiten am Mittwoch ankündigten.

Expansion in weitere außereuropäische Märkte möglich

E.on-Chef Johannes Teyssen betonte, die Investition in den brasilianischen Markt sei der erste Meilenstein bei der Umsetzung der angekündigten strategischen Expansion des Konzerns in ausgewählte, wachstumsstarke Märkte außerhalb Europas. Der Stromanbieter schließt weitere Engagements in Indien und der Türkei nicht aus.

Welche Bedeutung der brasilianische Markt künftig für Deutschlands größten Energieversorger haben könnte, macht eine einzige Zahl deutlich. Die angestrebte Gesamtkapazität von 20.000 Megawatt - das ist immerhin die Leistung von fast 20 Atomkraftwerken - entspreche über den Daumen gepeilt einem Investitionsvolumen von 40 Milliarden Dollar (31,5 Milliarden Euro), sagte Batista.

MPX als idealer Partner

Der Einstieg in Brasilien kommt E.on allerdings zunächst längst nicht so teuer. Zur Bekräftigung der Partnerschaft wird sich das Unternehmen zunächst mit zehn Prozent an Batistas Energieunternehmen MPX beteiligen und dafür rund 350 Millionen Euro zahlen. Die Entwicklung der Kraftwerksprojekte soll dann in einem Gemeinschaftsunternehmen erfolgen, an dem beide Unternehmen mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Dort werde Schritt für Schritt über die Projekte entschieden, sagte Teyssen.

MPX ist nach Einschätzung von E.on ein idealer Partner für die Eroberung des brasilianischen Marktes. Das Unternehmen verfügt über das größte Portfolio bereits genehmigter Energieprojekte in Südamerika - insgesamt 14.000 Megawatt. Mehr als drei Viertel davon sollen künftig gemeinsam entwickelt werden. Außerdem besitzt Batista eigene Kohleminen und Gasvorkommen, die die Versorgung der Kraftwerke sicherstellen können.

Errichtung von Wind- und Solaranlagen geplant

Geplant ist aber nicht nur der Bau von Kohle- und Gaskraftwerken für den energiehungrigen brasilianischen Markt, sondern auch die Errichtung von Wind- und Solaranlagen.

Auch der brasilianische Milliardär betonte: "Für uns ist es eine Traumhochzeit." Man habe großen Respekt vor dem technologischen Know-how des deutschen Partners. Der Unternehmer, der in Aachen Ingenieurwissenschaften studierte, gilt als reichster Mann Brasiliens. Das US-Magazin "Forbes" schätzt Batistas Vermögen auf 30 Milliarden Dollar (23,5 Milliarden Euro).

Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft allerdings noch nicht. Mit dem Vollzug der Transaktion rechnen die Konzerne im zweiten Quartal dieses Jahres. Für Teyssen ist das Bündnis dennoch ein wichtiger Etappensieg. Noch kurz vor Weihnachten war er im Bieterkampf um eine Beteiligung an dem portugiesischen Versorger EDP einem chinesischen Konkurrenten unterlegen.