Energie aus Gras und Gülle

Strom und Wärme selbst produzieren: Deutschlands erstes Bioenergiedorf

Die Gemeinde Jühnde im Kreis Göttingen hat vor mehr als zwei Jahren ihre Energieversorgung komplett auf Biomasse umgestellt und produziert dabei sogar doppelt so viel Strom, wie die knapp 800 Einwohner verbrauchen. Wissenschaftler werben für weitere Projekte.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Jühnde (ddp-nrd/sm) - Von weitem erinnern die weiße Kuppel und der Schornstein auf dem Hügel bei Jühnde an ein Atomkraftwerk. Doch mit Kernenergie will der kleine Ort nichts zu tun haben. "Wir machen Strom und Wärme aus dem, was Felder, Wiesen und Wälder hergeben", sagt Eckhard Fangmeier von der kommunalen Betreibergesellschaft. Auf den Äckern rund um Jühnde bauen die Landwirte des Dorfes Energiepflanzen an: Sonnen- und Kornblumen, Raps und Mais. Auch Kuhfladen, Gülle, Schweinemist und Speisereste seien als "Futter" für die Biogasanlage geeignet, erläutert Fangmeier.

Strom, jährlich rund vier Millionen Kilowattstunden, fließt in das Netz des regionalen Energieversorgers. Für die eingespeiste Energie erhalten die Jühnder eine Vergütung, im vergangenen Jahr rund 700.000 Euro. Damit werden die Kredite für die Anlagen getilgt. Zugleich leitet das Blockheizkraftwerk freiwerdende Wärme über ein unterirdisches Leitungssystem direkt an rund drei Viertel der Jühnder Haushalte geleitet. In einem weiteren Kleinkraftwerk wird Restholz aus den umliegenden Wäldern verbrannt.

Vorzeigeprojekt für weitere Orte

Die Göttinger Forscher, die das Projekt wissenschaftlich begleiten, sind davon überzeugt, dass es einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann. Öl, Gas und Uran würden immer knapper, sagt der Sprecher der Wissenschaftlergruppe, Volker Ruwisch. Holz und Biomasse seien dagegen "neutrale Ressourcen".

Inzwischen gibt es auch erste Nachahmer. Nach dem Vorbild von Jühnde sollen im Landkreis Göttingen weitere Bioenergie-Dörfer entstehen. Die Kreisverwaltung gab kürzlich für sieben weitere Orte Machbarkeitsstudien in Auftrag. Auch in anderen Regionen Deutschlands entstanden derartige Initiativen.

Am Wochenende wollen die Göttinger Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Begleitforschung bei einer Tagung vorstellen. Themen der Konferenz, zu der auch Vertreter aus Politik und Kommunen kommen, sind Energiepflanzenanbau, Umweltverträglichkeit, ökonomische Faktoren und soziale Aspekte. Nach Angaben von Projektleiter Hans Ruppert profitieren die Jühnder nämlich auch von einer guten Dorfgemeinschaft und neuen Einkommensperspektiven für Landwirte.

Weiterführende Links