"Strom aus der Kuh" - Neues Geschäftsfeld in der Landwirtschaft

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Das Prinzip ist bestechend: Ein landwirtschaftlicher Betrieb erzeugt aus Gülle und anderen organischen Abfällen durch Vergärung Biogas mit einem etwa 60-prozentigen Methananteil. Daraus lassen sich durch Verbrennung in einem Blockheizkraftwerk Wärme zur Beheizung der eigenen Gebäude und elektrischer Strom erzeugen. Dieser wird ins Netz eingespeist und vom Netzbetreiber seit dem 1. April 2000 durch das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit 20 Pfennig pro Kilowattstunde vergütet. Dazu kommt: Der Umwelt- und Klimaschutz profitiert ohnehin - durch die CO2-neutrale Energieerzeugung und die Geruchsneutralisierung der ausgefaulten Gülle, die zudem nach der Vergärung einen hochwertigen Dünger ergibt.


Trotz dieser vielfältigen Vorteile kam die Biogasnutzung speziell in Nordrhein-Westfalen bislang nicht recht in Schwung. Hauptgrund: Bei einer Einspeisevergütung von einst 15 Pfennigen je kWh war die Errichtung einer Biogas-Anlage - auch vor dem Hintergrund niedriger Preise für fossile Energieträger - für landwirtschaftliche Betriebe nur in wenigen Fällen wirtschaftlich lohnend. Hinzu kam, dass die benötigte Anlagentechnik mit hohem Aufwand an individuelle Gegebenheiten angepasst werden musste. Die Situation hat sich nun jedoch nach einhelliger Meinung der Experten geändert: Das jetzt in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz beschert dem regenerativen Energieträger Biogas von einem Tag auf den anderen eine stark verbesserte Perspektive. Steffen Hofmann, Energieberater bei der neutralen Landeseinrichtung Energieagentur NRW: "Bei Veranstaltungen und in der täglichen Beratungsarbeit ist ein deutlich steigendes Interesse zu verzeichnen. Das erklärt sich in erster Linie durch die Aussicht auf vergleichsweise höhere Vergütungstarife für Biogasstrom. Wer jetzt in eine entsprechende Anlage bis 500 kW elektrische Leistung investiert, kann mit einer auf zwanzig Jahre festgeschriebenen Vergütung von 20 Pfennig je kWh rechnen. Den Landwirten bringt diese Regelung deutlich mehr Planungssicherheit und attraktive Amortisationszeiten. Ende 1999 waren in NRW 15 Biogas-Anlagen in Betrieb und etwa die gleiche Zahl in Planung. Mit dem EEG wird auch in unserem Bundesland die Schwelle von einzelnen Pionieranlagen zur breiten Anwendung überschritten werden."