Testbericht nun offiziell

Stresstest: Welche Meiler nachgerüstet werden müssen

Bei praktisch allen Kernkraftwerken in der EU muss die Sicherheit verbessert werden, doch keines muss nach Einschätzung der EU-Kommission vom Netz - das ist das Ergebnis der sogenannten Stresstests, das EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Allerdings muss bei 121 Anlagen nachgerüstet werden.

Atomenergie© doncarlo / Fotolia.com

Brüssel (AFP/red) - "Die Sicherheitsstandards der Kernkraftwerke in Europa sind im Allgemeinen hoch, doch werden weitere Verbesserungen bei den sicherheitstechnischen Merkmalen nahezu aller europäischen Kernkraftwerke empfohlen", heißt es in einer Erklärung der Kommission. Zusammenfassend nannte Oettinger die Situation "zufriedenstellend"; abgeschaltet werden muss nach den Ergebnissen der Stresstests keiner der derzeit 132 betriebenen Reaktoren in 14 EU-Ländern.

121 Meiler müssen nachgerüstet werden

Nachrüstungsbedarf besteht aber in vielen Fällen. Als Beispiel nennt die Kommission das Fehlen seismischer Instrumente, um vor Erdbeben zu warnen. Sie sollten bei 121 Anlagen installiert oder nachgerüstet werden. Und bei 81 Reaktoren sei die Ausrüstung für schwere Unfälle nicht an Orten gelagert, "die selbst bei einer weitreichenden Verwüstung unversehrt bleiben".

Der Bericht selbst führt die einzelnen Reaktoren mit ihren Schwachstellen auf. Der Bericht empfiehlt etwa für Brokdorf, einen neuen Standard für Erdbebensicherheit zugrundezulegen. Dort fehlen demnach seismische Messinstrumente ebenso wie in Brunsbüttel, Emsland, Grohnde und Krümmel. Die Unfall-Ausrüstung ist dem Bericht zufolge bei allen deutschen Reaktoren gut gelagert.

Nationale "Aktionspläne" sollen folgen

Der Bericht nennt einen Investitionsbedarf zwischen zehn und 25 Milliarden Euro, wenn alle Empfehlungen umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um die Hochrechnung von Zahlen aus Frankreich, die den Finanzbedarf schätzen. EU-Experten erklärten zu den Ergebnissen, die Sicherheit der Anlagen könne nicht von der Zahl der Empfehlungen abgelesen werden. Es komme auf die Bauweise, den Standort und andere spezifische Faktoren an. In Norddeutschland etwa sei die Erdbebengefahr vergleichsweise gering.

Nun sollen nach dem Willen der Kommission nationale Aktionspläne aufgestellt werden, um die Empfehlungen umzusetzen. Zwingen kann die EU-Behörde die Regierungen nicht, weil die Atomenergie weitgehend in nationaler Kompetenz liegt. Oettinger will aber die EU-Rahmengesetze zur Atomsicherheit überholen, und zwar nicht nur bei der Sicherheit. Er plant auch, die Haftung für nukleare Unfälle im EU-Recht zu verankern.

Wichtige Fragen überhaupt nicht abgeklärt

Greenpeace kritisierte, die Tests hätten "einige der schwierigsten Fragen" übergangen. Als Beispiel nannten die Umweltschützer in einer Mitteilung in Brüssel die Bedrohung durch Terroristen und Notfallpläne für die Bevölkerung. Auch die Grünen im Bundestag monierten die Tests als unvollständig. Aber auch so belegten sie, dass in vielen Akw "selbst elementare Sicherheitssysteme fehlen", rügten die Grünen.

Die Stresstests waren im Juni 2011 begonnen worden. Sie sollten die Lehre aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ziehen. Beteiligt waren die Betreiber, die nationalen Behörden und die Europäische Kommission. Untersucht wurden laut Kommission 145 Reaktoren in 15 EU-Ländern, von denen derzeit 132 in Betrieb sind. In Deutschland waren es 17 Meiler, von denen jetzt neun am Netz sind.

Quelle: AFP