Naturschutzgebiete

Streit um Starkstromleitung durch Thüringer Wald

Im Streit um eine quer durch den Thüringer Wald geplante 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung will die Landesregierung die Ergebnisse des Planfeststellungsverfahrens abwarten. Die Trasse soll Energie aus Windkraftanlagen der Küste aufnehmen, würde aber mehrere Naturschutzgebiete durchschneiden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp-lth/sm) - Ohne die Ergebnisse den Planfeststellungsverfahrens seien die Folgen für Natur und Anwohner nicht verlässlich abzuschätzen, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Aretz (CDU) letzte Woche im Landtag in Erfurt. Erst dann sei zudem die energiewirtschaftliche Prüfung möglich. Auch Verkehrsminister Andreas Trautvetter (CDU) erklärte, dass das Verfahren noch offen sei. Der CDU-Abgeordnete und ehemalige Kultusminister Michael Krapp verlangte die Prüfung von Alternativen. Der Energiekonzern Vattenfall will die Trasse errichten, um Energie aus Windkraftanlagen von der Küste aufzunehmen.

Aretz räumte ein, dass das Projekt äußerst umstritten ist. Die Starkstromleitung würde mehrere Naturschutzgebiete durchschneiden. Dennoch komme eine Nutzung bestehender Hochspannungstrassen nicht in Frage, da diese nicht dafür ausgelegt seien. Die Leitung sei andererseits als sinnvoll zu betrachten, weil sie das umstrittene Pumpspeicherwerk Goldisthal besser in das Energienetz einbinde.

Laut Aretz wird das Raumordnungsverfahren für den ersten Teil der Trasse quer durch den Ilmkreis von Vieselbach bis Altenfeld voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen. Danach werde das Planfeststellungsverfahren eröffnet. Für den weiteren Verlauf in Richtung Süden sei noch unklar, wann das Raumordnungsverfahren eröffnet werde.

Der CDU-Abgeordnete Krapp warnte vor tiefen Einschnitten in den Naturraum Thüringer Wald, die eine weitere 380-Kilovolt-Leitung über den Rennsteig bedeuten würden. Der Trassenneubau sei durch den Ausbau bestehender Leitungen möglicherweise verzichtbar. Die Einwände der betroffenen Bürger müssten ernst genommen werden. Eine von Anwohnern geforderte unterirdisch verlegte Leitung komme hingegen nicht in Frage, weil sie zu teuer sei und die Belastungen für Natur und Mensch nicht verringern könne.

SPD: Trasse für Ausbau der Windkraft notwendig

Die SPD drängte hingegen zum Bau einer neuen Starkstromleitung. Die zusätzliche Trasse werde gebraucht, um den Anteil der Windkraft am deutschen Energieverbrauch zu erhöhen, sagte der SPD-Abgeordnete Hartmut Schubert. Auch der Linkspartei.PDS-Abgeordnete Tilo Kummer verlangte, die Windkraft nicht in Frage zu stellen. Allerdings ließ er offen, ob dafür die neue Leitung gebraucht werde. Seine parteilose Fraktionskollegin Petra Enders verlangte die Prüfung von Alternativen. Beim Raumordnungsverfahren für die geplante Trasse seien zahlreiche Fehler gemacht worden, so dass es einer gerichtlichen Prüfung nicht standhalten werde.

Verkehrsminister Trautvetter bezweifelte die Entscheidungskompetenz des Landtages im Streit um die Hochspannungsleitung. Die Zulassung sei ein reines Verwaltungsverfahren. Er erklärte zudem: "An der Notwendigkeit der Trasse kommen wir leider nicht vorbei." Allerdings solle über einen alternativen Leitungsverlauf nachgedacht werden. Der Minister warnte zugleich: "Man muss darauf achten, dass man nicht in Thüringen Ruhe schafft und woanders neue Feuer anzündet".