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Leitung durchs BiosphärenreservatVattenfall will von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern eine Hochspannungsleitung bauen, die jedoch durch ein Biosphärenreservat führt. Dagegen wehrt sich jedoch eine Bürgerinitiative, die Gesundheitsschäden befürchtet und fordert, zumindest im Bereich des Biosphärenreservat Erdkabel zu verlegen.
Chorin (ddp-lbg/sm) - Für Thomas Pfeiffer ist die geplante 380-Kilovolt-Freileitung quer durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im Norden Brandenburgs pures Teufelszeug. Und sie ist seiner Ansicht nach auch gesundheitsschädlich, das Krebsrisiko für Menschen im Umfeld steige. Pfeiffer ist der führende Mann einer Bürgerinitiative, die derzeit Unterschriftenlisten gegen die Freileitung in Barnim und Uckermark verteilt.
Vattenfall will die Hochspannungsleitung unter anderem bauen, um den Windstrom aus der Uckermark und aus Vorpommern in andere Regionen Deutschlands leiten zu können. Das Raumordnungsverfahren dazu ist bereits abgeschlossen, das Planfeststellungsverfahren steht bevor.
"Die neue Hochspannungsleitung muss zumindest im Bereich des Biosphärenreservats als Erdkabel verlegt werden", fordert Pfeiffer. Dann werde das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt, und es gebe auch keine Gefahr für geschützte Vogelarten oder Gesundheitsrisiken für Menschen. Auf etwa 25 Kilometer Länge müsste das Kabel dann durch unterirdische Betonröhren geführt werden.
Jedoch sei ein Erdkabel ist vier- bis zehnmal so teuer wie der Bau einer Freileitung, entgegnet Andreas Rainer, der bei Vattenfall mit dem Freileitungsbauprojekt betraut ist. Deshalb favorisiert der Konzern trotz der Bürgerproteste die Freileitung. Als Kompromiss ist Vattenfall jedoch bereit, eine in den 50er Jahren gebaute 220-Kilovolt-Leitung im Biosphärenreservat abzureißen. Diese werde nach Inbetriebnahme der neuen Trasse nicht mehr benötigt. "Damit wird eine 35 Kilometer lange Schneise durch das Schutzgebiet verschwinden", sagt Rainer.
Bedenken gegen das Vattenfall-Projekt hat unterdessen auch das Brandenburger Umweltministerium. "Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens haben wir diese Bedenken geäußert. Auch ich könnte mir eine Erdverkabelung als Alternative vorstellen", sagt Staatssekretär Dietmar Schulze. Er verweist auf zwei vom Bund geförderte Pilotprojekte, bei denen in Thüringen und Niedersachsen Hochspannungsleitungen als Erdkabel verlegt werden sollen. "Warum sollte ein drittes derartiges Pilotprojekt nicht in der Schorfheide starten können", sagt Schulze. Ein solches Vorhaben bedürfe allerdings der Unterstützung durch die Bundestagsabgeordneten der Region. Derzeit nämlich plane die Bundesregierung für Brandenburg keine Erdkabelverlegung.
Die Bürgerinitiative schaut unterdessen neidisch nach Niedersachsen. "Dort gibt es ein Gesetz, dass unter bestimmten Umständen zwingend Erdverkabelung vorsieht. Ein solches Gesetz wäre auch für Brandenburg gut", sagt Pfeiffer. Bei diesem Wunsch kann ihm allerdings Staatssekretär Schulze keine Hoffnung machen: "Derzeit liegt ein ähnliches Gesetz beim Bund auf Eis und wird von der Koalition hin und her geschoben. Und auf Landesebene sehe ich keine politischen Mehrheiten für das Einbringen eines solchen Gesetzes", sagt er.
Vattenfall hat unterdessen klar gemacht, dass es bei einer gesetzlichen Regelung der Erdverkabelung sein Projekt in der Schorfheide noch einmal überarbeiten würde. "Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen sich ändern, werden wir auch das Verlegen eines Erdkabels noch einmal prüfen", sagt Andreas Rainer. Solange das jedoch nicht der Fall sei, favorisiere Vattenfall die Freileitung durch das Biosphärenreservat.
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