Schließungskonzepte

Streit um Asse-Stillegung - Anwohner kritisieren BfS

Im Ringen um ein Konzept zur dauerhaften Stilllegung des Atommülllagers Asse gibt es Streit zwischen Bundesbehörden und Anwohnern der maroden Anlage. Die Anwohner werfen dem BfS und dem Bundesumweltministerium vor, auf die einfachste und günstigste Variante zu favorisieren.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover/Remlingen (ddp/red) - Vertreter des Asse-II-Koordinationskreises äußerten am Montag die Befürchtung, dass die drei möglichen Schließungsvarianten nicht ergebnisoffen geprüft würden. Vielmehr habe man den Eindruck, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schon eine klare Präferenz für die Stilllegung der Asse habe - nämlich die Verfüllung der Kammern mit Spezialbeton. BfS-Sprecher Werner Nording wies die Vorwürfe zurück. Nach wie vor seien alle drei Varianten "im Rennen", sagte er.

BfS und Bundesumweltministerium hatten Anfang des Monats die Kriterien für die drei in Frage kommenden Schließungsoptionen vorgestellt. Dazu zählt neben der Betonverfüllung die Bergung der Abfälle sowie ihre Umlagerung in tiefere Schichten. Ende des Jahres will sich die Behörde für eine drei Varianten entscheiden. Frank Hoffmann vom Asse-II-Koordinationskreis kritisierte, das Konzept von BfS und Bundesumweltministerium sei "tendenziös". Die Option der Vollverfüllung werde favorisiert, andere Optionen - wegen ihres großen technischen und finanziellen Aufwands etwa die Rückholung der Abfälle - "nach hinten gestellt".

Atommülllager muss revidierbar und überwachbar sein

Die Bürgerinitiative kritisierte ferner, dass in dem Konzept der Behörden wesentliche Kriterien "unterbelichtet" würden. So spielten die Überwachbarkeit und Rückholbarkeit des strahlenden Abfalls nur eine untergeordnete Rolle. Wo immer aber Atommüll in Deutschland endgelagert werde, müsse dies "revidierbar" sein, hieß es. Die "bundesdeutsche Philosophie" der wartungsfreien Endlagerung von Atommüll in tiefen geologischen Schichten für Millionen von Jahren sei gescheitert. Dies zeige die "katastrophale Situation" in der Asse, aber auch im benachbarten DDR-Endlager Morsleben jeweils wenige Jahrzehnte nach Beginn der Einlagerung.

BfS: Keine Festlegung auf eine der drei Varianten

BfS-Sprecher Nording sagte, bei einem Gespräch zwischen Bundesamt und den Bürgerinitiativen am vergangenen Donnerstag habe man klargestellt, dass Revidierbarkeit und Überwachbarkeit der radioaktiven Abfälle "wichtige und ständige Prüfkriterien" im weiteren Prüfungsprozess seien. Bezüglich der in Frage kommenden Schließungsvarianten sagte Nording, dass keine der drei Optionen als "nicht machbar ausgeschlossen" sei.

Rückendeckung erhielt das BfS vom Landrat des Landkreises Wolfenbüttel, Jörg Röhmann (SPD). Der Vorsitzende der Asse-II-Begleitgruppe sagte, er sehe nach dem Gespräch am Donnerstag keine "Vorfestlegung" der Bundesbehörde auf eine der drei Schließungsvarianten. Röhmann betonte, dass die Anwohner der Region bei der Festlegung auf ein endgültiges Schließungskonzept der Asse einen "faulen Kompromiss" nicht zulassen würden.

Entscheidung zu Asse-Schließung bis Jahresende

Amtliche Gutachten für alle drei Schließungsvarianten will das Bundesamt für Strahlenschutz der Bevölkerung am 2. Oktober vorstellen. Anschließend sollen BfS-Experten die Studien bewerten. Zum Jahresende will sich BfS-Präsident Wolfram König dann für eine Schließungsoption entscheiden.