"Mangelnde Fachkenntnis"

Streit in der CDU um Mainzer Kohlekraftwerk und Atomausstieg

Die Debatte über das in Mainz geplante neue Kohlekraftwerk sorgt nun auch für Streit innerhalb der Landes-CDU. Landesparteichef Baldauf wies die Kritik der "mangelnden Fachkenntnis in Sachen Energiepolitik" des Umweltdezernenten Reichel zurück und warf ihm seinerseits schlechten innerparteilichen Stil vor.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/sm) - Der Mainzer CDU-Umweltdezernent Wolfgang Reichel wirft dem Landesvorsitzenden seiner Partei, Christian Baldauf, mangelnde Fachkenntnis in Sachen Energiepolitik vor, weil dieser die Entscheidung für den Bau des Mainzer Kraftwerks als falsch kritisiert hatte. Hintergrund sind Äußerungen Baldaufs in seiner Rede beim politischen Aschermittwoch der rheinland-pfälzischen CDU. Dabei hatte der CDU-Landeschef eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken gefordert, um "Zeit zu kaufen" für den Übergang in ein neues Zeitalter der erneuerbaren Energien. Zugleich kritisierte er den Bau neuer Kohlekraftwerke wie in Mainz als "Milliarden-Investitionen in alte Technologien" und als "den falschen Weg".

Reichel entgegnete in der Zeitung "Die Rheinpfalz" (Samstagausgabe), Baldauf mische sich von außen in die Diskussion ein und mache unzulängliche Vorschläge. Nach seinen Informationen stehe ein Ausstieg aus dem unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg in dieser Legislaturperiode nicht zur Debatte. Im Gegensatz zum CDU-Landeschef habe die Mainzer CDU sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, bevor die Entscheidung für den Kraftwerksbau gefallen sei.

Baldauf betonte dagegen, der rot-grüne Atomkompromiss sei "nicht gottgegeben". Es sei ein "realistisches Ziel", sich für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke einzusetzen. Zugleich kritisierte Baldauf, dass Reichel weder beim besagten Aschermittwochstreffen der CDU anwesend gewesen sei, noch mit ihm telefoniert habe, bevor er "solche harten Vorwürfe" in der Öffentlichkeit erhebe. "Als Parteifreund hätte ich mir gewünscht, dass er sich sachlicher und gesprächsbereiter verhält", betonte der CDU-Landeschef.