Umlagerung

Strahlenschutzamt: Atommüll aus Asse zurückholen

Wegen Einsturzgefahr und drohender Laugenzutritte soll der Atommüll im maroden Endlager Asse wieder herausgeholt werden. Dies sei die beste Variante für die Schließung der Asse, so das BfS. Oppositionspolitiker und Umweltschützer äußerten sich zustimmend zu einer Schließung, verwiesen aber auf noch ungelöste Fragen.

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Braunschweig/Köln (afp/ddp/red) - Die Bergung der radioaktiven Abfälle aus dem Atommülllager Asse ist nach Ansicht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) die beste Variante für die Schließung des Bergwerks. Dies sei das Ergebnis des Optionenvergleiches zur Stilllegung des Bergwerks, sagte BfS-Chef Wolfram König am Freitag in Hannover.

Untersucht worden war dabei auch, ob die 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll an ihrem jetzigen Standort in rund 500 bis 700 Meter Tiefe in dem ehemaligen Salzbergwerk sicher einbetoniert werden könnten oder ob eine Umlagerung in deutlich tiefere Schichten um 1000 Meter Langzeitsicherheit gewährleisten würde.

"Keine der drei Varianten ist optimal"

Gegen eine Vollverfüllung des instabilen und vom Volllaufen bedrohten Bergwerks mit Beton und einer Speziallösung spricht aus Sicht des BfS, dass ein Nachweis für die Langzeitsicherheit nicht sicher erbracht werden könne. Bei der Umlagerung des Mülls bestünde das Risiko, keinen geeigneten Einlagerungsbereich in der Asse zu finden. Außerdem dauere diese Stilllegungsoption weitaus am längsten.

"Keine der drei Varianten ist optimal, das wussten wir", sagte König. Die Standfestigkeit des Bergwerks sei nicht vorhersagbar. Für den Fall eines enormen Anstiegs des Wasserzuflusses bereite das BfS deshalb schon Notfallmaßnahmen vor.

Wohin jetzt mit dem Atommüll?

Eine Bergung der Abfälle könnte laut König rund zehn Jahre dauern. Über die möglichen Kosten machte er keine Angaben. Diese zu ermitteln, sei nicht Bestandteil des Optionenvergleichs gewesen. Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte in dem Zusammenhang eine Summe von etwa zwei Milliarden Euro genannt. Gleichzeitig forderte er die Bundesregierung auf, die Industrie an den Asse-Sanierungskosten zu beteiligen.

Politiker aller Parteien begrüßten die Empfehlung des BfS. Auch Umweltminister Röttgen (CDU) hatte sich zuvor für eine Rückholung der Abfälle ausgesprochen. SPD, Grüne, Linke und Umweltverbände äußerten sich zustimmend zur geplanten Schließung, verwiesen aber auf Probleme bei der Endlagerfrage. Thorben Becker vom Umweltverband BUND betonte, es sei unklar, wohin die Asse-Fässer am Ende gebracht werden sollten. Der als potenzielles Endlager vorgesehene Schacht Konrad komme schon aus rechtlichen Gründen nicht in Frage und sei eventuell ebenfalls unsicher.

Endlagerfrage bleibt ungelöst

Umweltschützer haben derweil ihre Forderung nach einer Abschaltung aller Kernkraftwerke bekräftigt. Die Lehre aus dem "Asse-Desaster" sei, dass es einen sicheren Umgang mit Atommüll nicht gebe, sagte der Sprecher der Anti-Atomkraft-Organisation "Ausgestrahlt", Jochen Stay, am Freitag in Gorleben.

Er nannte es "geradezu absurd, dass über den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke verhandelt wird, womit tagtäglich neue Abfälle anfallen, während die strahlenden Abfälle der Vergangenheit wieder ans Tageslicht zurückgeholt werden müssen."

Quelle: AFP