Verschleierung?

Störfall im Atomkraftwerk Brunsbüttel: Ist Explosion Schuld?

Am 14. Dezember 2001 ereignete sich ein Störfall im HEW-Atomkraftwerk Brunsbüttel, der nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit einer Wasserstoffexplosion im Sicherheitsbehälter des Reaktors zusammenhängt. Das Umweltministerium hat jetzt eine lückenlose Aufklärung gefordert. Eva Bulling-Schröter von der PDS bezeichnete das Vorgehen als unverantwortlich.

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Etwa zwei Monate nach der Leckage einer Kühlleitung im AKW-Brunsbüttel ist die Ursache für den Unfall heute gefunden worden. Der Grund: Eine abgerissene Kühlleitung. Der Kraftwerksbetreiber HEW bestätigte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, dass der entdeckte Leitungsabriss durch eine Wasserstoffexplosion im Sicherheitsbehälter des Reaktors verursacht worden sein könnte. Die abgerissene Kühlwasserleitung führt unmittelbar in den Reaktordruckbehälter, den sensibelsten Bereich des Atomkraftwerkes. Der betroffene Kühlkreislauf wird zum Herunterfahren des Reaktors benötigt.

"Hier haben wir es mit einem schweren Störfall zu tun", ist Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler überzeugt. Seiner Meinung nach handelt die Betreiberfirma HEW unverantwortlich, wenn erst zwei Monate nach der mutmaßlichen Explosion das Leitungssystem des Reaktors Brunsbüttel untersucht würde.

Das Bundesumweltministerium hat indes von der schleswig-holsteinischen Landesatomaufsicht einen Bericht zu dem Vorfall angefordert. "Aus dem Vorfall ergeben sich eine Reihe von Fragen. Diese müssen zufriedenstellend geklärt sein, bevor der zur Zeit heruntergefahrene Reaktor wieder in Betrieb genommen werden kann", erklärte Sprecher Michael Schrören. Besonders kritisch zu hinterfragen sei dabei das Verhalten des Betreibers, der die Anlage ungeachtet des Vorfalls einfach weiterfuhr und sich erst mehr als zwei Monate danach zu einer Inspektion entschloss. Klärungsbedürftig ist nach Auffassung der Behörde zudem, wieso das Kieler Energieministerium als Landesatomaufsicht nicht in der Lage war, den Betreiber zu einer früheren Inspektion zu veranlassen und die Bundesaufsicht früher zu unterrichten.

Die umweltpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion, Eva Bulling-Schröter bezeichnete das Verhalten von HEW ebenfalls als "unverständlich und vor allem unverantwortlich". Und weiter sagte sie: "Wenn sich nach den vergleichbaren Erfahrung mit Philippsburg herausstellen sollte, dass wieder einmal ein schwerer Störfall vertuscht wurde, muss der Bundesumweltminister von seinem Weisungsrecht Gebrauch machen und den Widerruf der Betriebsgenehmigung für Brunsbüttel anordnen. Der Verdacht liegt nahe, dass der Vorfall verschwiegen wurde, um die Beschlussfassung zum so genannten Atomausstiegsgesetz im Bundesrat nicht zu stören."