Klimaschutz

Stimmen: Morgen tritt Kyoto-Protokoll in Kraft

Zum 16. Februar tritt das Kyoto-Abkommen zum Klimaschutz in Kraft. Dies haben inzwischen 141 Staaten ratifiziert, nicht jedoch die USA und Australien. Die Länder verpflichten sich, ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Deutschlands Verpflichtung ist größer.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp-bln/sm) - Mit einer symbolischen Aktion hat die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) das Inkrafttreten des so genannten Kyoto-Protokolls begrüßt. Unter dem Motto "Leinen los für den Klimaschutz" hob am Dienstag auf dem Schlossplatz in Berlin ein großer Heißluftballon mit dem WWF-Logo, einem schwarz-weißen Pandabären, vom Boden ab, um den Start der internationalen Vereinbarung am 16. Februar zu würdigen.

WWF: Nicht ausruhen

"Das Kyoto-Protokoll ist ein großer Erfolg, doch dürfen wir uns darauf nicht ausruhen", betonte die Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland, Regine Günther. Die internationale Staatengemeinschaft habe sich verpflichtet, die klimaschädlichen Treibhausgase zu reduzieren. Jetzt müsse man anspruchsvolle Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele auf den Weg bringen.

BUND: Gegen Bremser

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) demonstrierte mit einer sechs Meter hohe Freiheitsstatue, die der nahe des Bauplatzes für die neue USA- Botschaft aufgestellt hat, für die Ausweitungen der Kyoto-Verpflichtungen. Die Umweltschützer kritisieren, dass sich mehrere Staaten ihrer Verpflichtung für den Klimaschutz entziehen wollen. "Kyoto ist ein Erfolg, weil Klimaschutz gegen seine Bremser durchgesetzt werden konnte", kommentierte BUND- Vorsitzende Angelika Zahrnt.

Öko-Institut: Kein Selbstlauf

"Es gibt keinen Grund zu jubeln. Um das Klima wirklich zu schützen, muss noch viel geschehen", sagte denn auch der Energie-Experte am Öko-Institut, Dr. Felix Christian Matthes. "In den nächsten Jahren kommt es vor allem darauf an, die Vereinbarungen von Kyoto umzusetzen. Denn weder die Europäische Union noch Deutschland werden die Ziele im Selbstlauf erreichen." Um der eigenen Verantwortung für den Klimaschutz weiterhin gerecht zu werden, startet das Öko-Institut ab sofort damit, die Emissionen aus Flugreisen seiner MitarbeiterInnen zu kompensieren.

CDU/CSU: Kyoto-Plus-Abkommen

Die Union setze auf die Verfolgung einer Klima-Doppelstrategie, erläuterten der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Dr. Peter Paziorek, und die zuständige Berichterstatterin im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Marie-Luise Dött. Dies bedeute international die Fortentwicklung des Kyoto-Protokolls zu einem Kyoto-PLUS-Abkommen und national die konsequente Verfolgung einer klimafreundlichen Politik. Diese Zweigleisigkeit ist deshalb so wichtig, weil die Bekämpfung des globalen Klimawandels eine Herausforderung sei, die weltweit nur durch die Zusammenarbeit aller Staaten bewältigt werden könne.

Umweltverbände: Maßnahmen verankern

Die Umweltverbände weisen darauf hin, dass die anstehenden Maßnahmen in einem Klimaschutzprogramm verankert werden müssen. Das Öko-Institut fordert weitere Maßnahmen zur Energieeinsparung bei Gebäuden und Geräten, weitere Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen im Verkehr, den weiteren Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Weiterentwicklung und Verbesserung des europäischen Emissionshandelssystems. Der WWF hat ebenfalls einen Neun-Punkte-Plan mit den notwendigen Schritten ausgearbeitet. Neben ehrgeizigeren nationalen Klimaschutzzielen müsse man die Energiekonzerne stärker in die Pflicht nehmen. Es gelte, das europäische Emissionshandelssystem auszubauen und die ärmeren Länder zu unterstützen. Mittelfristig müssten zudem die USA und Australien wieder an Bord geholt werden, die zu den Ländern mit dem größten Treibhausgasausstoß gehören.

Kyoto: Was ist das?

Das Kyoto-Abkommen zum Klimaschutz haben inzwischen 141 Staaten ratifiziert. Eine Mehrheit der Industriestaaten verpflichtet sich damit, ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Deutschland verpflichtet sich im Rahmen der EU-internen Lastenverteilung dazu, die Emissionen der direkt wirksamen Treibhausgase im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 um 21 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Bis zum Jahr 2002 wurde auf Bundesebene ein Rückgang von 18,6 Prozent erreicht.