Fördermittel

Stiftung: Ohne Subventionen wäre Kohlestrom viel teurer

Einer Studie zufolge erhält die Kohleindustrie etwa zehn Milliarden Euro jährlich aus Steuergeldern. Nur die Atomindustrie werde in der EU noch stärker gefördert, so die Heinrich-Böll-Stiftung. Ohne die Zuwendungen wäre der Strom aus Kohlekraft deutlich teurer.

Kohlebergwerk© psychoschlumpf / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Europas Bürger finanzieren mit ihren Steuergeldern einer Studie zufolge Milliardensubventionen für die Kohleindustrie. Dank der öffentlichen Zuwendungen sei aus Kohle gewonnener Strom am Markt deutlich günstiger zu haben, als dies ohne die Subventionen der Fall wäre, teilte die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung am Freitag mit. Mehrere Nichtregierungsorganisationen kritisierten zudem, dass die internationalen Fördersummen für fossile Brennstoffe jene für klimaschonende Maßnahmen um ein Vielfaches überstiegen.

Zehn Milliarden im Jahr für die Kohleindustrie

In dem gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation Friends of the Earth International erstellten Coal Atlas 2015 beziffert die Böll-Stiftung die direkten und indirekten Subventionen aus EU-Steuergeldern von 1970 bis 2007 mit rund 380 Milliarden Euro. Jährlich belaufen sich die Fördergelder demnach auf etwa zehn Milliarden Euro. Allein Deutschlands Steuerzahler zahlten demnach für die klimaschädigende Industrie pro Jahr an die 3,7 Milliarden Euro. Damit nehme die Bundesrepublik unter den EU-Staaten den ersten Platz bei der öffentlichen Kohleförderung ein, heißt es in der Studie.

Kohlestrom ohne Subventionen deutlich teurer

Die Autoren argumentieren, dass Kohlestrom ohne die Subventionen deutlich teurer wäre. Bei Einhaltung geltender Umwelt- und Sozialrechtstandards ließen sich viele Bergbau- und Kohlekraftwerksvorhaben mit dem aktuellen Strompreis sonst überhaupt nicht finanzieren, erklärte Stiftungs-Sprecher Michael Álvarez Kalverkamp. In der EU würde außer der Kohle- nur die Atomindustrie noch stärker gefördert, heißt es in der Studie. Erneuerbare Energien dagegen erhielten mit Ausnahme der Wasserkraft keine direkten Subventionen.

Oxfam erhebt Vorwürfe gegen G20

Wenige Wochen vor dem UN-Klimagipfel in Paris erheben zudem mehrere Nichtregierungsorganisationen Vorwürfe gegen die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). Die britische Organisation Oxfam teilte am Freitag mit, die G20 förderten fossile Energieträger durch Direktzahlungen und Steuererleichterungen mit einem Vielfachen dessen, was sie für die Anpassung ärmerer Länder an den Klimawandel zahlten. 2013 und 2014 seien rund 72 Milliarden Euro Fördergelder in emissionsträchtige Energiequellen wie Öl und Kohle geflossen, in Klimaanpassungsmaßnahmen 2014 hingegen maximal 4,7 Milliarden Euro.

Der Gesamtbetrag der Fördermaßnahmen der G20 für fossile Energien beläuft sich laut Oxfam unter Einbeziehung von Investitionen staatlicher Firmen und vergünstigter Kredite auf 420 Milliarden Euro jährlich. Dem stünden 140 Milliarden Euro gegenüber, die ärmere Länder jedes Jahr zur Anpassung an den Klimawandel benötigten. Deutschland subventioniere die schmutzigen Industrien dreimal stärker als Anpassungsmaßnahmen, die USA gar über 50 Mal stärker. Die Industrieländer könnten daher "nicht behaupten, es fehle ihnen am nötigen Kleingeld" zur Unterstützung ärmerer Länder, erklärte Oxfam-Sprecher Jan Kowalzig.

Fossile Energieträger viermal stärker gefördert als Erneuerbare

Zuvor hatten zwei weitere Nichtregierungsorganisationen Ergebnisse veröffentlicht, laut denen die G20 fossile Brennstoffe fast viermal stärker mit öffentlichen Mitteln fördern als erneuerbare Energien. Das Overseas Development Institute und Oil Change International gaben die jährlichen Subventionen für fossile Brennstoffe ebenfalls mit rund 420 Milliarden Euro an, wohingegen erneuerbare Energien lediglich rund 113 Milliarden Euro Zuwendungen erhielten. 2009 hatten sich die G20, die am Sonntag im türkischen Antalya zusammentreffen, dazu verpflichtet, die Subventionen für fossile Energieträger mittelfristig auslaufen zu lassen.

Quelle: AFP