Umwidmung

Steinkohle-Zechen werden fitgemacht für Ökostrom

Nach dem für 2018 beschlossenen Aus für die subventionierte Steinkohleförderung in Deutschland stellt die Branche jetzt die Weichen für ihre Zukunft. Die Nutzung von Ökostrom werde ein neues strategisches Geschäftsfeld, sagte der Vorstandschef des Gesamtverbandes Steinkohle, Bernd Tönjes, am Montag in Essen.

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Essen (dapd/red) - Auf dem deutschen Steinkohletag, der in diesem Jahr unter dem Motto "Energie für neue Wege" stand, warb Tönjes für die breite Verwendung ehemaliger Bergbauflächen zur Nutzung von Ökostrom. So könne beispielsweise auf Halden Windenergie gewonnen und die Wärme von Grubenwasser zur Energieversorgung von Gebäuden oder zur Produktion von Biomasse eingesetzt werden. Denkbar sei auch der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf Zechengeländen.

Der Kohlekonzern RAG stellte auf der Veranstaltung entsprechende Pläne vor. So könnten unter anderem auf den zahlreichen Dächern der Kohlenmischhallen Photovoltaikanlagen installiert werden. Pumpspeicherkraftwerke in stillgelegten Zechen könnten bis zu 300 Megawatt Strom pro Jahr liefern. Dazu soll aus künstlichen Speicherseen Wasser durch Rohre bis zu 1.000 Meter in die Tiefe stürzen und in den Kohleschächten große Turbinen antreiben.

Biomasse auf Kohlehalden

Erfahrungen mit erneuerbaren Energien sammelt die RAG schon jetzt auf ehemaligen Zechenanlagen. So wurden auf der Halde Scholven in Gelsenkirchen im Jahr 2010 zwei rund 100 Meter hohe Windkraftanlagen errichtet. Mit einer Leistung von je 2,3 Megawatt können sie rund 10.000 Einwohner mit Ökostrom versorgen. Zur Gewinnung von Biomasse wurden - ebenfalls in Gelsenkirchen - auf dem ehemaligen Zechengelände Hugo schnell wachsende Bäume, vor allem Pappeln und Weiden, gepflanzt.

Mit der Nutzung erneuerbarer Energien könne der Steinkohlebergbau einen Beitrag für den Strukturwandel im Ruhrgebiet leisten und zugleich Chancen für die zukünftige Energieversorgung eröffnen, merkte Tönjes an. Gleichwohl könne die Steinkohle damit nicht vollständig ersetzt werden. Deutschland werde daher nach dem Ende der heimischen Förderung vollständig von Importen abhängig sein.

Förderung der Steinkohle läuft 2018 aus

Aktuell steuert die heimische Steinkohle noch sechs Prozent zur inländischen Stromerzeugung bei - 1996 waren es noch 21 Prozent. Die subventionierte Steinkohleförderung läuft 2018 aus, weil sie im Vergleich mit den Weltmarktpreisen zu teuer ist. Aktuell arbeiten noch rund 20.000 Personen im Steinkohlebergbau. Betrieben werden noch fünf Bergwerke - drei im Ruhrgebiet sowie je eines in Ibbenbüren und im Saarland. 2010 wurden rund 13 Millionen Tonnen gefördert.