Standpunkt

Steigende Strompreise: Plädoyer für längere AKW-Laufzeiten

Energieexperten zweier deutscher Wirtschafts-Forschungsinstitute plädieren für die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken. Um die Strompreise in den nächsten Jahren niedrig zu halten, komme Deutschland um eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke nicht herum, hieß es.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/red) - Das sagte Manuel Frondel, Chef-Energieökonom des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der "WirtschaftsWoche".

Laut dem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht drängt das RWI die Bundesregierung zu einer radikalen Umkehr in der Energiepolitik: Sie solle die Förderung von Strom aus Wind und Sonne über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2011 komplett einstellen und den geplanten Bau der Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee stoppen.

Unter dem Strich, so habe das RWI in einer Exklusivstudie für das Magazin ausgerechnet, würden die Maßnahmen die Stromkunden bis zum Jahr 2020 um mindestens 100 Milliarden Euro entlasten. Halte die Bundesregierung dagegen an der EEG-Einspeisevergütung und dem Ausbau grüner Energien fest, verteuerten sich die Strompreise laut RWI bis 2020 um 20 bis 25 Prozent.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin komme ebenfalls in einer Exklusivstudie für die "WirtschaftsWoche" zu dem Ergebnis, dass die Strompreise bis 2020 um 18 Prozent steigen würden, wenn die Bundesregierung am Atomausstieg festhalte. Für den Verbraucher würde sich das Ende der Kernkraft in Deutschland sehr deutlich bei den Nebenkosten bemerkbar machen: So würde sich laut DIW die monatliche durchschnittliche Stromrechnung eines vierköpfigen Haushalts von heute 67,70 Euro auf knapp 80 Euro erhöhen.

Claudia Kemfert, führende Energieökonomin des DIW, fordert die Bundesregierung daher auf, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern. In diesem Fall müssten die Haushalte lediglich fünf Prozent mehr bezahlen: 71 statt 67,70 Euro monatlich, sagte sie der "WirtschaftsWoche".