Energie-Revolution

Startschuss für Desertec: Ökostrom aus der Sahara für Europa

Der Strom für Europa könnte schon in wenigen Jahren zu einem großen Teil aus der nordafrikanischen Wüste kommen. Zwölf Konzerne unterzeichneten am Montag in München eine Vereinbarung zum Bau großer Solarkraftwerke in der Sahara, die die Energieversorgung Europas revolutionieren sollen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

München (ddp/red) - Ziel der "Desertec Industrial Initiative" ist es, zunächst 15 Prozent des in Europa benötigten Stroms in der Wüste zu produzieren. Dafür müssten über einen Zeitraum von 40 Jahren etwa 400 Milliarden Euro in Kraftwerke und neue Fernleitungen investiert werden. Der Finanzbedarf sei zwar auf den ersten Blick groß, liege jedoch zunächst nur bei etwa 1000 Euro pro Einwohner Europas.

Klimawandel größtes Risiko der Menschheit

Hauptinitiator des Projekts ist die größte Rückversicherungsgesellschaft der Welt, die Münchener Rück. Deren Vorstandsvorsitzender Nikolaus von Bomhard wies in seiner Eröffnungsrede auf die Gefahren durch den Klimawandel hin. "Der ungebremste Klimawandel kann zum größten Risiko für die Menschheit werden", sagte Bomhard. Dabei werde Nichtstun weitaus teurer kommen als frühzeitiges Gegensteuern. An der Industrieinitiative beteiligen sich unter anderem die Energiekonzerne E.ON und RWE.

Fairer Dialog mit afrikanischen Ländern

Jeworrek versprach, mit den beteiligten Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens einen "ehrlichen, fairen und gleichberechtigten Dialog" zu führen. Die Münchener Rück wolle dabei die Rolle des "ehrlichen Maklers" übernehmen. An der Unterzeichnung der Absichtserklärung am Montag nahm auch eine Vertreterin der Arabischen Liga teil. Prinz Hassan bin Talal, Onkel des jordanischen Königs, übermittelte eine Grußbotschaft per Video.

Ganze Welt kann mit Ökostrom versorgt werden

Nur ein halbes Prozent der Wüstenflächen der Erde sei nötig, um die Menschheit mit Energie zu versorgen, rechnet der Physiker Gerhard Knies, Aufsichtsratschef der Desertec Foundation, vor. Dabei sei die "Rettung der Welt" zugleich "die größte ethische Aufgabe wie das größte Geschäft". Caio Koch-Weser, Berater der Deutschen Bank, bezeichnete das Projekt als "bahnbrechend".