"Besorgniserregende Entwicklung"

Stark steigende Strom- und Erdgaspreise für Industrie und Gewerbe

Das vergangene Jahr, bilanzierte jetzt der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft, sei von stark steigenden Strom- und Erdgaspreisen gekennzeichnet gewesen - und auch für 2005 sehe die Energiepreisperspektive schlecht aus. Hinsichtlich der staatlichen Belastungen kommt der VIK nur zu einem Fazit: "Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts spielt keine Rolle".

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (red) - Stark steigende Strom- und Erdgaspreise haben das ganze Jahr 2004 gekennzeichnet, resümierte der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) anlässlich seiner Jahrespressekonferenz. Der Terminmarktpreis für Strom an der Börse EEX sei in nur zwei Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen. Für das Jahr 2005 sehe die Energiepreisperspektive für die Unternehmen ebenfalls schlecht aus, so der VIK.

Verband erwartet 20-prozentige Senkung der Netzentgelte

Die für 2005 angekündigten Anhebungen der Stromnetzentgelte durch die großen Netzbetreiber stünden "in krassem Widerspruch" zu den Verbandserwartungen. "Wir erwarten eine rund 20-prozentige Senkung der Netzentgelte in den ersten Jahren der Regulierung - ausgehend vom heutigen Niveau und bei unveränderter Versorgungssicherheit", sagte der VIK-Vorsitzende Horst R. Wolf. Allein die weite Preisspreizung von bis zu 100 Prozent bei den Stromnetzentgelten und von über 250 Prozent bei den Erdgasnetzentgelten lasse dieses Ziel als sehr realistisch erscheinen. Der VIK sehe die angekündigten Preisanhebungen als Versuch, vor dem Start der Regulierung noch schnell vollendete Tatsachen zu schaffen.

Starke Regulierungsbehörde notwendig

Um eine wirkungsvolle Regulierung des Strom- und Erdgasmarktes zu erreichen, sei eine starke Regulierungsbehörde (RegTP) zu etablieren, die auf Basis des neuen Energiewirtschaftsrechts auch tatsächlich Einfluss auf die Netzbetreiber habe. Die RegTP müsse zentral einheitliche und bundesweit verbindliche Regeln vorgeben. Die Kostenorientierung sei durch ein funktionsfähiges Vergleichsmarktkonzept und eine dynamische Anreizregulierung zu korrigieren. Ohne eine Kostenbegrenzung durch diese Instrumente sei ein wettbewerbsfähiges Niveau der Netzentgelte nicht zu erreichen.

Die häufige Praxis der Versorger, das Strompreisniveau am EEX-Terminmarkt als Referenzwert für Vollversorgungsverträge heranzuziehen, sei falsch und führe zu überhöhten Kosten. Das Argument der Stromversorger bei Verhandlungen mit Kunden, "kauft Ihr nicht zum EEX-Terminmarktpreis, verkaufen wir eben dort", sei unhaltbar. Würde tatsächlich versucht, nennenswerte zusätzliche Strommengen über die EEX zu verkaufen, müssten wegen der begrenzten Nachfrage dort die Preise sofort sinken.

"Unsinniges Nebeneinander von EEG und Emissionshandel"

Neben den standortschädlichen Entwicklungen der Netzentgelte und des Produktpreises für Strom trieben nach wie vor enorme staatliche Belastungen - etwa die Förderung regenerativer Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) - sowie der Anfang 2005 startende Emissionshandel den Strompreis bereits heute in die Höhe. Die Belastung von knapp 0,5 Cent je Kilowattstunde Strom durch das EEG werde auf die Masse der deutschen Unternehmen abgewälzt. Viel zu wenige Unternehmen würden als "Härtefälle" anerkannt, beklagte der VIK. Gesteigert werde diese Belastung nun noch durch den bevorstehenden Emissionshandel. Statt einer Bereinigung der zahlreichen klimapolitischen Instrumente hätten die hiesigen Unternehmen "das unsinnige Nebeneinander von EEG und Emissionshandel" zu finanzieren. Selbst für umweltfreundlichen Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen müsse die EEG-Umlage gezahlt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes spiele erneut keine Rolle.

Obwohl die CO2-Zertifikate beim Emissionshandel kostenlos an die Unternehmen der Energiewirtschaft ausgegeben würden, zeige die Preisentwicklung für Strom an der Börse eine besorgniserregende Entwicklung. Mit Inkrafttreten des Emissionshandelsgesetzes Mitte 2004 seien die Terminmarktpreise für die Folgejahre in vielen Fällen gestiegen. Anders als politisch vorgesehen, würden trotz kostenloser Zertifikatszuteilung die Zertifikatspreise in die Strompreise eingerechnet und an die Stromkunden weitergegeben.

Auch Erdgaspreise für Unternehmen von Bedeutung

Neben dem Strompreis sei auch der Erdgaspreis für die Unternehmen von großer Bedeutung. Bisher gebe es so gut wie keine deutschen Erfahrungen mit Gas-zu-Gas-Wettbewerb. Der komplizierte Netzzugang und die hohen Netzentgelte hätten dies über Jahre verhindert. Das sich bei der Novelle des EnWG allmählich durchsetzende Entry-Exit-Modell für den Gasnetzzugang mache aber gewisse Hoffnung. Der VIK fordert, ein transaktionsunabhängiges, transparentes, diskriminierungsfreies, bilanzkreisfähiges und börsengeeignetes Entry-Exit-Modell mit flexibler Kapazitätsnutzung und frei wählbaren Ein- und Ausspeisepunkten sowie netzübergreifenden Kooperationsverpflichtungen im kommenden EnWG und seinen Verordnungen zu verankern.

Das ganze System stehe und falle aber mit der Anzahl von Bilanzzonen. Wenn deren Anzahl der der Netzbetreibergebiete entspreche - also rund 730 Netze -, bringe das System für den Gas-zu-Gas-Wettbewerb nichts. Der Kunde dürfe nur zwei Ansprechpartner haben - an seiner Ein- und an seiner Ausspeisestelle - und müsse so den Zugang zum gesamten deutschen Gasnetz erhalten. Erst dann könne beim Gas eine neue Zeitrechnung beginnen.

PDF-Download

Ein vom VIK erstelltes PDF zum Thema "Entwicklung des Strompreises seit der Liberalisierung" finden Sie unter http://media.strom-magazin.de/402/403/117.pdf

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