Standpunkt: Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung hat Zukunft

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com
Zur Vorstellung des Papiers "Kraft-Wärme-Kopplung hat Zukunft" erklärt Michaele Hustedt, energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, anlässlich der Verabschiedung des Klimaschutzprogramms im Kabinett:


Die Bundesregierung will als Teil des Klimaschutzprogramms bis Mitte 2001 einen Gesetzentwurf zur Verdoppelung der Stromerzeugung aus KWK innerhalb der nächsten 10 Jahre verabschieden. Jetzt in der heißen Phase der Erarbeitung des Gesetzentwurfes kämpfen die Gegner einer KWK-Quote mit harten Bandagen. Insbesondere die Stromkonzerne argumentieren mit unlauteren, z.T. verlogenen Behauptungen. So wird behauptet, dass ein Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung zur Vernichtung von Arbeitsplätzen in der Stromerzeugung in Deutschland führen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Durch ein KWK-Ausbaugesetz wird sichergestellt, dass Arbeitsplätze zur Stromerzeugung in Deutschland erhalten bleiben. Kraft-Wärme-Kopplungsstrom muss naturgemäß in Deutschland hergestellt werden, da die Wärme im Gegensatz zu Strom nicht über große Entfernungen transportiert werden kann. Dagegen setzen die Stromkonzerne verstärkt auf den Stromimport, insbesondere aus Osteuropa. Die Weichen dafür werden derzeit gestellt.


Die Kraft-Wärme-Kopplung ist ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzprogramms, da der Ausbau der KWK eine der besten und günstigsten Möglichkeiten darstellt, CO2 zu reduzieren. Kraft-Wärme-Kopplung ist Zukunftstechnologie: Durch die neuen Kommunikations- und Kraftwerk-Technologien steht uns ein großer Wandel bevor. Die Zukunft der Energieversorgung ist dezentral. Kleine und mittelgroße Anlagen mit Internetanschluss werden dann zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet. Damit kann auch Strom für die Spitzen- und Grundlast produziert werden. Ein neues Betätigungsfeld, auch für die Stadtwerke. Einer dieser neuen Technologien ist dabei die Brennstoffzelle. In Kellern von Ein- und Mehrfamilien-Häusern ersetzt sie den Heizkessel und produziert dabei noch Strom. Die Markteinführung der Brennstoffzelle kann durch eine KWK-Quote beschleunigt werden. Damit kann Deutschland seine Abhängigkeit vom Öl verringern, denn die Brennstoffzelle wird mit Erdgas, später mit solarerzeugtem Wasserstoff betrieben.


Ein KWK-Ausbau durch ein Zertifikatshandel soll nach den Vorstellungen der rot-grünen Koalition das KWK-(Vorschalt-)Gesetz ablösen. Da mit dem neuen Gesetz nur hocheffiziente Anlagen gefördert werden sollen, würden die umzulegenden Kosten sogar geringer werden. Bei einem Preis von etwa 2 bzw. 3 Pfennig pro Zertifikat und einer Quote von 10 Prozent wären das 0,2 bzw. 0,3 Pf/kWh. Die Belastungen durch das Gesetz für die erneuerbaren Energien (EEG) liegen - korrekt gerechnet - bei 0,3 Pf/kWh. Einen halben Pfennig für die Umwelt - das sollte bei Preisnachlässen von 4 bis 7 Pf/kWh durch die Liberalisierung doch möglich sein. Noch vor zwei Jahren war der Strom teurer, und es wurde weniger für die Umwelt getan. Für die Stein- und Braunkohle wird nach wie vor ein Vielfaches davon ausgegeben. Dazu gehört die Braunkohleschutzklausel, die den ostdeutschen Bürger 2 Pf/kWh kostet, genauso wie die nach wie vor noch etwa 9 Milliarden DM, die wir jährlich für die Steinkohle ausgeben.