Standpunkt: Kompromiss im Dissens

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Zum beschlossenen Atomausstieg erklärt Dr. Wolf-Dieter Krebs, Vorsitzender der Kerntechnischen Gesellschaft: "Die zwischen Bundesregierung und Energieversorgern getroffene Vereinbarung über die Reststrommengen für die deutschen Kernkraftwerke ist ein gravierender Rückschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und umweltverträglichen Energieversorgung. Von einer tragfähigen Energiekonzeption geschweige denn von einem Energiekonsens kann nach wie vor keine Rede sein. Alle aktuellen Energiestudien zeigen: Ohne die friedliche Nutzung der Kernenergie wird es Deutschland auf absehbare Zeit nicht gelingen, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Deutschland manövriert sich ins umweltpolitische Abseits. Was langfristig geschehen soll, wenn die fossilen Brennstoffe weltweit verknappen, bleibt gänzlich offen. Erreicht wurde lediglich ein Kompromiss im Dissens. Die Unternehmen haben ihr Wort gehalten und das Primat der Politik respektiert, auch wenn der von der Regierung betriebene Atomausstieg ein großer Fehler ist. Dementgegen bleibt zu bezweifeln, ob die Regierung in der Lage sein wird, ihre Verpflichtungen, die sich aus der Vereinbarung ergeben, einzuhalten. Wie soll ein ungestörter Betrieb der Kernkraftwerke wie auch der Entsorgung gewährleistet werden, wie es in der Vereinbarung steht, wenn gerade das den harten Flügel der Kernenergiegegner stört. Die Einstellung der Erkundung des Salzstocks in Gorleben kurz vor der erwarteten Feststellung der Eignung zum Endlager ist nichts anderes als der untaugliche Versuch genau diese Klientel ruhig zu stellen. Die Regierung geht diesen Weg, obwohl sie damit das Problem der Entsorgung unseren Nachkommen überlässt. Insgesamt agiert die Regierung vor dem Hintergrund des gescheiterten Energiedialogs 2000 ohne gesellschaftliche Rückendeckung. Insbesondere kritische Stimmen aus der Wissenschaft und sogar aus den Umweltverbänden wurden letztlich ignoriert. Die Ergebnisse der im März 2000 eingesetzten parlamentarischen Enquete-Kommission 'Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung und Liberalisierung' werden gar nicht erst abgewartet. Das kann keine Basis für eine verantwortungsbewusste, zukunftsweisende Politik sein. Es bleibt zu hoffen, dass die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Atomausstiegs noch rechtzeitig zu einem Umdenken führen."


Die Kerntechnische Gesellschaft e.V. (KTG) ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Technikern, Wirtschaftswissenschaftlern und anderen Personen mit dem Ziel, den Fortschritt von Wissenschaft und Technik auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie und verwandter Disziplinen zu fördern. Die KTG hat derzeit mehr als 2300 Mitglieder.