Standpunkt: K2R4-Gutachten für Osteuropabank: Fehler oder Manipulation?

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Gegen den Fertigbau der beiden Atomkraftwerke in der Ukraine Khmelnitzky 2 und Rowno 4 (K2R4) hat Greenpeace heute in Riga zu Beginn der Jahrestagung der Osteuropabank (European Bank for Reconstruction and Development: EBRD) protestiert. Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen entrollten die Aktivisten aus Deutschland und den USA vor dem Eingang des Kongresszentrums ein Transparent mit der Aufschrift: "EBRD: Stop dirty tricks - No new Chernobyls". Zusätzlich errichteten die Greenpeace-Leute eine überdimensionale Taschenrechner-Attrappe, die auf den jüngsten Vorwurf der Schönrechnerei und falsche Wirtschaftlichkeitsberechnungen für das geplante Atomprojekt anspielt. Greenpeace fordert von der Osteuropabank ein klares Nein zu dem Fertigbau der beiden Atomkraftwerke, sowie eine Förderung von alternativen Energiekonzepten.


"Atomkraftwerke bei denen schon jetzt große Sicherheitsprobleme abzusehen sind, trotzdem fertig zu bauen ist ein Skandal," sagt Jan Rispens in Riga, Energieexperte bei Greenpeace: "Dass jetzt auch noch bei der Kostenermittlung zu Gunsten des Atomprojektes gefälscht wurde, zeigt mit welchen Mitteln die Atomlobby inzwischen arbeitet." Die amerikanischen Wirtschaftsprüfer "Stone&Webster" untersuchten im Auftrag der EBRD die Auswirkungen des Wertverlustes der ukrainischen Währung Hrivna auf die ursprünglich angenommenen Kosten für K2R4 und für mögliche Alternativen. Richtig ist, dass das Atomprojekt dadurch billiger wird. Falsch ist, dass die Kosten für die Alternativen trotz Währungsverlust gleich bleiben. Für "Stone&Webster" schneiden dadurch die Kosten für das Atomprojekt zum Beispiel im Vergleich zu Gas-Kraftwerken am besten ab.


Greenpeace hatte dieses unerklärliche Ergebnis von der Stuttgarter Consultingfirma Fichtner überprüfen lassen und jetzt veröffentlicht. Fazit: die EBRD-Berechnungen sind "nicht nachvollziehbar", weil bei Neubau oder Modernisierung fossiler Kraftwerke die Kosten tendenziell stärker sinken als bei K2R4. Rispens: "K2R4 ist ein monströses und zudem gefährliches Atomprojekt, von dem jeder seriöse Experte abrät. Die EBRD sollte nicht versuchen, das mit stümperhaften Gutachten zu widerlegen." Stattdessen fordert Greenpeace, Finanzhilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht werde: Modernisierung des Stromnetzes und der bestehenden Kraftwerke, Bau von umweltfreundlichen Gaskraftwerken und umfangreiche Energiesparmassnahmen.