Standpunkt: Glaubenskrieg am Ende

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Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK) begrüßt das Ende einer langen Kontroverse zwischen der Bundesregierung und den Energieunternehmen RWE, EnBW, VEBA und VIAG über den weiteren Betrieb der in Deutschland bestehenden Kernkraftwerke. Damit gehe ein Verhandlungsmarathon zu Ende, der eine bessere Berechenbarkeit in Fragen zukünftiger Energieoptionen in Aussicht stelle und den fast vergessenen Begriff der Planungssicherheit wiederbelebe. Schließlich seien die energieintensiven Industriebetriebe aller Branchen und Größenordnungen, dessen energiepolitisches Sprachrohr der VIK seit 50 Jahren ist, aufgrund ihrer internationalen Wettbewerbssensibilität auf Versorgungssicherheit und Preisgünstigkeit in der Stromversorgung angewiesen.


Zwar seien noch viele Details der Verständigung über den weiteren Betrieb und Entsorgung der deutschen Kernkraftwerke zu regeln. Ein Ergebnis dieser Ausstiegsdiskussion stehe allerdings schon jetzt fest: Die deutsche Wirtschaft stehe in der Gefahr, ihre führende Stellung in der Nukleartechnik einzubüßen. Und damit sind auch Hoch- und Sicherheitstechnologien gemeint. Das mag politisch erwünscht sein, doch müsse sich die rot-grüne Koalition darüber bewusst sein, dass diese Einbuße in einer Zeit erfolgt, in der das Interesse in der Welt an Kernenergie zunehme. Viele Schwellenländer setzten auf diese Energieform. Aber auch in hoch industrialisierten Ländern, wie etwa den Vereinigten Staaten, gebe es Überlegungen, die Laufzeit der Kernkraftwerke von durchschnittlich 40 Jahren auf 60 Jahre zu verlängern. Und dieses Interesse an der Kernenergie käme nicht von ungefähr. Schließlich nehme der Energiebedarf auf der ganzen Welt zu. Viele Staaten seien daher der Meinung, dass sie auf alle verfügbaren Energiequellen setzen müssen. Ein weiterer Grund sei aber auch, dass sich die hoch gesteckten Klimaschutzziele ohne Atomkraft nicht werden erreichen lassen. Es bleibt zu fragen, warum die Bundesregierung trotz ihrer ökologischen Ausrichtung diesen Zusammenhang nicht wahrhaben will. Auch bleibt unklar, warum die Bundesregierung die mit dem Ausstieg verbundene zukünftige Importabhängigkeit bei Grundlaststrom nicht würdigt, von der ebenfalls zukünftig fehlenden Wertschöpfung in Deutschland ganz zu schweigen. Bleibt zu hoffen, dass der über 32 Jahre laufende Vertrag ein zwischenzeitliches Nachdenken nicht verbietet.