Standpunkt: Einführung des Chipkartensystems in Hauszählern nicht möglich

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Wenn das Thema Stromzähler weiterhin aus den Vereinbarungen der Energieversorger ausgeklammert bliebe, wird dieser Teil des Besitzstandes der Stromversorger als Monopol zementiert. Dieser Meinung ist jedenfalls die Consulting Partners Unternehmens GmbH (COP) aus Bad Homburg. (das strom magazin berichtete) Vor allem würde dieses Vorgehen die Einführung eines sogenannten Chipkartensystems verhindern. Das System, das in England schon erfolgreich praktiziert wird, ermöglicht den Einkauf von Strom auf Chipkarten, die beliebig oft und von beliebigen Versorgern aufgeladen werden können.


Heute reagierte der Vorstandsvorsitzende der Kölner KaWatt AG Robert Kyrion auf diese seiner Meinung nach "eklatante Fehleinschätzung des Marktes". Da in Deutschland ein anderes Verbrauchs- und Einkaufsverhalten und eine andere Wohnstruktur vorherrsche, würden im Haus befindliche Chipkarten-Zähler in Deutschland nicht akzeptiert. Denn anders als in England befände sich in den überwiegend nach dem Krieg errichteten deutschen Häusern der Zähler im Keller oder im Hausflur. In England hingegen sitzt der Zähler entweder in der Wohnung oder aber in einem an die Küche oder Wohnraum angrenzenden Abstell- oder Vorratsraum. Zudem gäbe es in England fast doppelt so viele Eigenheime wie in Deutschland.


Ein weiterer Grund für die Ablehnung eines solchen Systems in Deutschland sei die Emotionalität des beschriebenen Umstandes, dass der Zähler nicht im direkten Privatbereich angesiedelt ist. Dadurch, dass sich der Zähler im Keller oder Hausflur befindet, haben auch andere die Möglichkeit, darauf zuzugreifen. Unterstützt wird das Ganze - nach Meinung Kyrions - durch zwei emotionale Ur-Ängste: Kälte und Dunkelheit. So würden Keller oder Hausflure empfunden, weshalb sich niemand gern darin aufhält. Zu guter Letzt sei der Zugriff in den kommunikativsten Räumen des Wohnraumes (Küche und Wohnraum) nicht gewährleistet und das Einkaufsverhalten in Deutschland sei im Gegensatz zu England kein Erlebniseinkauf, sondern lediglich ein Prozess der Befriedigung von Grundbedürfnissen. Hinzu kommt, dass durch die derzeit geltende Versorgungspflicht der Strom nicht einfach abgeschaltet werden kann. Selbst wenn die Chipkarte nicht wieder aufgeladen wurde, muss die gesetzlich vorgegebene Grundversorgung eingehalten werden.
Kyrion sieht demnach keine Chance für eine Akzeptanz des Produktes in den Läden. Das beweist auch die zurückgezogenen Zusammenarbeit der REWE-Handelskette mit dem Hamburger Energieversorger HEW. Auch seine eigene Erfahrung als Vorstandsvorsitzender der KaWatt AG bestätigten diesen Umstand, da Verhandlungen mit ALDI Süd und Nord ohne Ergebnis blieben.