Standpunkt: 2. Verbändevereinbarung kein Sieg für die privaten Haushalte

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Unternehmensberatung COP Consulting Partners (Bad Homburg) arbeitet seit mehreren Jahren an unterschiedlichen Projekten zur Vermarktung von Energiediensleistungen. Wenn von anderen Beobachten die durch die neue Verbändevereinbarung festgelegte Teilung des Marktes in zwei Zonen kritisiert wird, so will das Unternehmen vor allem auf die Problematik des Zählers hinweisen. Ihr Standpunkt: "Gelingt es den Energieunternehmen in den nächsten Monaten weiterhin den Zähler aus allen Vereinbarungen auszuklammern und Zähler stillschweigend als einen Bestandteil des Stromnetzes zu definieren, wird wenigstens dieser Teil des Besitzstandes der Energieversorger als Monopol zementiert." Im folgenden veröffentlichen wir eine Stellungnahme der COP zu diesem Thema.


Mit der Unterzeichnung der 2. Verbändevereinbarung wird allgemein die Erwartung verbunden, dass Privathaushalte jetzt in einem freien Wettbewerb einen kostengünstigen und an ihren Wünschen orientierten Stromanbieter auswählen können. Bei dieser Interpretation wird jedoch übersehen, dass (neben Fragen der Datenverarbeitung und von Wechselgebühren) ein wesentlicher Punkt nicht geregelt worden ist: die Einführung von Wettbewerb auch bei der Bereitstellung von Stromzählern. Wettbewerb in diesem milliardenschweren Markt liegt im besonderen Interesse von Haushaltskunden, da er zu weiteren Preissenkungen sowie zu neuen Angeboten wie z.B. dem Stromeinkauf per Chipkarte führen dürfte.


Die Stromkunden in Haushalt und Kleingewerbe zahlen in Deutschland jährlich etwa 3,5 Milliarden DM für die Zählermiete an die Stromversorger (sogenannter "Verrechnungspreis" für Zählernutzung, Zählerablesung und Rechnungslegung). Diese Gebühren werden nicht von der neuen Verbändevereinbarung behandelt und das Zählermanagement wird nach derzeitigem Stand auch nicht vom Wettbewerb im Strommarkt erfasst. Dies bedeutet, dass auch bei fallenden Strompreisen der Anteil der (festen) Zählermiete an der Stromrechnung steigen wird (bei neuen Stromanbietern ist die Zählermiete indirekt in der "Grundgebühr" enthalten). Nach der von der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) propagierten Regelung ("Metering Code") soll das Zählermanagement auch im liberalisierten Markt in die Zuständigkeit der örtlichen Stromnetzbetreiber fallen, welche dann die Zählermieten sowohl für die Kunden der eigenen Vertriebssparte als auch für die Kunden von neuen Stromanbietern festsetzen. Sollte sich diese Regelung in der Praxis durchsetzen, würden sich die etablierten Energieversorger trotz Wettbewerb ein "Zählermonopol" sichern. Dieser Punkt ist in der bisherigen Diskussion offenbar übersehen worden, und er erscheint umso erstaunlicher, als in anderen Versorgungssparten wie Wärme (Heizkostenverteilung) und Wasserzählung (Wohnungswasserzähler) schon seit Jahrzehnten Wettbewerb im Zählermanagement gang und gäbe ist.


Der Preis für die Zählermiete unterschied sich trotz identischer Leistungserbringung schon in der Vergangenheit sehr stark je nach Energieversorger. So verlangt z.B. die LEW in Augsburg 58,46 DM / Jahr für einen typischen Haushaltszähler ("Drehstrom Eintarifzähler") während die gleiche Dienstleistung bei den Stadtwerken Düsseldorf jährlich mit 90,48 DM zu Buche schlägt. Bei anderen Zählertypen kommt es zu Preisunterschieden von teilweise über 100 Prozent. So kostet ein Eintarif-Wechselstromzähler bei den Stadtwerken München 40,37 DM pro Jahr, bei den Gas- und Elektrizitätswerken in Köln hingegen jährlich 87,00 DM. Für einen "Zweitarif-Drehstromzähler mit Tarifschaltung" verlangt die Thüringer Energie AG 83,52 DM im Jahr, die RWE Energie AG 125,28 DM / Jahr und die VEW Energie AG 139,20 DM / Jahr. Von diesen überhöhten Zählermieten sind die Haushalte und das Kleingewerbe im Vergleich zur Industrie zudem überproportional betroffen, da bei der Industrie aufgrund der hohen Energieverbräuche die Zählermiete in der Gesamtrechnung nicht weiter ins Gewicht fällt. Bei Haushalten und Kleingewerbe gibt es weiterhin eine erhebliche Anzahl an separaten Stromzählern für "Allgemeinstrom" (Treppenhaus, Keller, Hausmeisterwohnung, Garage, etc.), für die auch bei geringer Stromabnahme jeweils separat eine volle Zählermiete bezahlt werden muss.


Im beginnenden Wettbewerb um Haushaltskunden zeichnet sich derzeit ab, dass die Stromnetzbetreiber das ihnen verbleibende Zählermanagement-Monopol dazu nutzen, den neuen Stromanbietern höhere Preise für die Zählermiete zu berechnen, als den eigenen Kunden. Derzeit im Gespräch sind Zählermieten von ca. 100 DM (netto) pro Kunde und Jahr, bei einem Single-Haushalt würde dies etwa 20 Prozent der Stromrechnung ausmachen. Sollten sich die etablierten Energieversorger mit diesen Gebühren durchsetzen, müssen die neuen Anbieter diese auf Dauer an die Kunden weitergeben, was zu Preiserhöhungen insbesondere bei kleinen Haushalten führen dürfte.


Das derzeitige Zählermanagement-Monopol der Energieversorger verhindert neben Preissenkungen auch Produktinnovationen im Sinne der Kunden, z.B. den Stromeinkauf per Chipkarte. Im liberalisierten Strommarkt in England vermarkten mittlerweile mehrere Energieversorger die Möglichkeit zum Stromeinkauf per Chipkarte offensiv als neues Produktangebot (Slogan: "Pay as you go"). Der Kunde erhält z.B. eine aufladbare Chipkarte, mit der er ein Strom-Guthaben kaufen kann. Der Kunde schiebt die Chipkarte dann in einen (neu installierten) Chipkarten-Stromzähler und damit steht die eingekaufte Strommenge zur Verfügung. In einem Geschäft in der Nachbarschaft kann der Kunde die Chipkarte jederzeit aufladen. Ob er dies wöchentlich, monatlich oder halbjährlich tut, bleibt ihm überlassen. Falls der Kunde das Wiederaufladen einmal vergessen sollte, kann er per Knopfdruck einen Reservekredit aktivieren und in dieser Zeit die Chipkarte und damit den Zähler wieder aufladen. Bei dem ganzen System entfallen die bisher notwendigen Abschlagsbeträge, die Nachzahlungen, die Zählerablesung und die Jahresrechnung. Die Vorteile der Kunden sind die einfache Handhabung, die Möglichkeit zur Kostenkontrolle und persönlichen Budgetierung sowie die bessere Kontrollmöglichkeit über den eigenen Stromverbrauch (welcher auch zu einem höheren Energiebewusstsein führt). Nach den Erhebungen der englischen Strom-Regulierungsbehörde beziehen mittlerweile 16,6 Prozent aller Haushaltskunden in England und Schottland Strom über ein solches oder ein ähnliches System. Mehr als 90 Prozent aller Kunden sind nach Angaben der Regulierungsbehörde mit dieser Art des Stromeinkaufes zufrieden, der Marktanteil von solchen Systemen steigt aktuell weiter an. Die Nutzung des Systems erstreckt sich über alle sozialen Schichten und ist - anders als gelegentlich angenommen - nicht auf die sozial schwachen Schichten begrenzt.
Voraussetzung für die breite Etablierung vom Stromeinkauf per Chipkarte in Deutschland ist die Möglichkeit für einen Stromanbieter, auf Kundenwunsch hin einen Chipkartenzähler einbauen zu können. Dies ist jedoch bei einem "Zählermonopol" durch die etablierten Energieversorger nicht möglich.


Eine Lösung, wie sie auch in anderen liberalisierten Strommärkten (z.B. Kalifornien, England) vorgesehen ist, wäre es, dem neuen Stromanbieter oder dem Kunden zu erlauben, sich den besten Zählermanager auszusuchen zu können. Dies könnte weiterhin der etablierte Energieversorger sein, es könnte aber auch ein kostengünstigerer Wettbewerber oder ein neuer Anbieter z.B. mit einem Chipkartenzähler sein.