Das Rennen hat begonnen

Standortpoker um Ostsee-Pipeline-Baustellen

Zwei Jahre vor dem geplanten Baubeginn der deutsch-russischen Erdgaspipeline durch die Ostsee hat die Prüfung geeigneter Standorte für die erforderlichen Logistik- und Versorgungszentren begonnen. Neben deutschen Kandidaten sind auch Standorte in Norwegen, Russland, Estland, Schweden und Finnland möglich.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Lubmin/Mukran (ddp/sm) - Der Auftrag für die Lieferung der Rohrsegmente für die 1200 Kilometer lange Trasse sei inzwischen weltweit ausgeschrieben worden, sagte der Sprecher der künftigen Betreibergesellschaft Nord Stream AG, Jens Müller, auf ddp-Anfrage.

Als potenzielle Hersteller kämen Rohrproduzenten in Deutschland, Großbritannien, Japan und Russland in Frage. Erst wenn Mitte 2007 der Zuschlag für diesen Großauftrag erteilt sei, könne über die notwendigen Vorfertigungsstützpunke in Küstennähe entschieden werden, sagte Müller. Er relativierte damit Medienberichte vom Wochenende, wonach das erforderliche Rohrlager in Mukran errichtet werden soll.

"Der Standort Sassnitz-Mukran gehört wegen seiner geografischen Lage und der vorhandenen Flächen zweifellos zu unseren Favoriten", sagte der Sprecher. Im Vergleich zu Lubmin am Greifswalder Bodden, wo die Pipeline an das europäische Festland andocken soll, sei der Tiefwasserhafen im Norden von Rügen für die Transport- und Verlegeschiffe wesentlich besser erreichbar. Letztlich zähle jedoch, wo die Rohre produziert, beschichtet und mit Schwerbeton ummantelt werden. Die Rohrlager und Schiffsversorgungszentren müssten etwa ein halbes Jahr vor dem Beginn des Trassenbaus angelegt werden.

Die zwei Rohrverbindungen mit Durchmessern von etwa 1,20 Metern sollen an Land vorgefertigt und anschließend mit Spezialschiffen auf dem Meeresboden verlegt werden. Unter anderem müssen die Stahlrohre mit einer drei bis sechs Millimeter starken Rostschutzbeschichtung und einem bis zu 15 Zentimeter dicken Schwerbetonmantel versehen werden.

Nach Angaben der Betreibergruppe soll die etwa 5,5 Milliarden Euro teure Gastrasse 2012 in Betrieb gehen und die russische Stadt Vyborg und Lubmin bei Greifswald miteinander verbinden. Das internationale Genehmigungsverfahren läuft seit November 2006. Die Trasse soll durch die ausschließlichen Wirtschaftszonen beziehungsweise Territorialgewässer von Dänemark, Deutschland, Finnland, Russland und Schweden verlegt werden. Über Details des Projekts werden auch die Behörden in Estland, Lettland, Litauen und Polen unterrichtet.

Müller dementierte zugleich Presseberichte über angebliche Probleme bei der Finanzierung der Pipeline. Die europäische Investmentbank habe mitgeteilt, einer entsprechenden Kreditvergabe erst zuzustimmen, wenn sich alle Anrainerstaaten einvernehmlich über das Projekt geeinigt hätten, sagte Müller. Die Bank sei jedoch nur ein potenzieller Mitfinanzierer unter vielen. Derzeit würden mit mehr als 30 Banken in aller Welt Gespräche geführt. Ein entsprechendes Finanzierungsmodell werde binnen eines Jahres erstellt.

Von Ralph Sommer