Energiewende

Stadtwerkeverbund Trianel kündigt Sparmaßnahmen an

Der Stadtwerkeverbund Trianel hat 2015 bei seinen konventionellen Kraftwerken Verluste zu verzeichnen und kündigte nun Sparmaßnahmen an. Die Chefin des Stadtwerke-Verbandes, Katherina Reiche, kritisiert indessen die EEG-Reform. Die Novelle bringe keine Verbesserung für die kommunalen Versorger.

EnergiewendeDer Strompreisverfall im Zuge der Energiewende macht auch den Stadtwerken zu schaffen.© jonasginter / Fotolia.com

Düsseldorf/ Berlin - Der europaweite Stadtwerkeverbund Trianel hat wegen des Strompreisverfalls im Großhandel praktisch kein Geld mehr verdient und startet ein Sparprogramm. 2015 sei der Überschuss des kommunalen Netzwerkes auf annähernd Null abgerutscht, sagte Trianel-Chef Sven Becker am Montag in Düsseldorf. Die Stromerzeugung mit Gas- und Kohlekraftwerken habe einschließlich höherer Rückstellungen allein elf Millionen Euro Verlust gebracht, sagte Becker. Dies sei eine "schwere Hypothek" für das Geschäft.

Trübe Prognosen für 2016

Auch 2016 sei nicht mehr als ein Nullergebnis zu erwarten, sagte Finanzchef Jörg Vogt. "Das kann uns nicht zufriedenstellen." In dem Verbund sind 56 kommunale Gesellschafter aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.

Kohlekraftwerk in Lünen schreibt 120 Millionen Euro an Verlust

Allein das große 750-Megawatt-Kohlekraftwerk in Lünen (Nordrhein-Westfalen) von zahlreichen Stadtwerken und Trianel, das erst seit zweieinhalb Jahren in Betrieb ist, habe 2015 mehr als 120 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet, sagte Becker. Der Stadtwerkeverbund wollte zum anstehenden Sparprogramm keine Details nennen. Es habe ein Millionenvolumen, Bedarf an Personalabbau über die natürliche Fluktuation hinaus sehe er derzeit aber nicht, sagte Becker. Trianel investiere weiter stark in Erneuerbare Energie, vor allem in Wind und Photovoltaik, und setze auf den Energiehandel.

VKU-Chefin kritisiert Ökostrom-Reform

Die Chefin des Stadtwerke-Verbandes (VKU), Katherina Reiche, hat die am Freitag verabschiedete Ökostrom-Reform der Bundesregierung scharf kritisiert. Sie bringe keine Besserung für die angespannte Finanzlage der kommunalen Versorger, sagte die frühere CDU-Politikerin der "Welt am Sonntag". In den kommenden Jahren werde immer mehr erneuerbare Energie in den Markt drücken, besonders aus der Windkraft. Schon heute aber produziere Deutschland Strom im Überfluss.

Stadtwerke als Leidtragende der Energiewende

Die Preise an der Strombörse seien im Keller, sagte die einstige parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium. Leidtragende seien unter anderem die Stadtwerke, die in klimaschonende Kraftwerke investiert hätten, mit denen sie nun Verluste schrieben. Die Politik habe fatale Fehlanreize gesetzt. Sie habe den Produzenten von erneuerbaren Energien Fixpreise garantiert, egal ob deren Strom in den Netzen gerade gebraucht werde oder nicht.

Reiche: Energiewende hätte preiswerter sein können

"Rückwirkend betrachtet hätte man die Energiewende sicher preiswerter gestalten können", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen. "Die Politik ist der enormen Dynamik, mit der Unternehmen und Bürger Wind- und Solarkraft ausgebaut haben, immer hinterher gerannt."

Mit der EEG-Reform wird die Milliardenförderung von Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biogas ab 2017 von festen Vergütungen auf Ausschreibungen umgestellt. Das soll helfen, Kosten zu senken. Bundestag und Bundesrat hatten das Gesetzespaket am Freitag endgültig beschlossen.

Quelle: DPA