Mega-Deal

Stadtwerke-Verbund übernimmt Steag

Ein Verbund aus sechs Stadtwerken übernimmt die Mehrheit an Deutschlands fünftgrößtem Stromproduzenten Steag. Das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr werde 51 Prozent an der Steag übernehmen, teilte der Steag-Eigentümer Evonik am Montag in Essen mit.

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Essen (afp/dapd/red) - Die übrigen 49 Prozent an der Steag können die Stadtwerke demnach zu einem späteren Zeitpunkt erwerben. Steag betreibt in Deutschland neun Steinkohlekraftwerke, drei weitere in den Philippinen, in Kolumbien und in der Türkei. An vielen Standorten betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben zudem Anlagen zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien und dezentrale Anlagen.

Den Verkauf des 51-Prozent-Anteils an Steag habe der Vorstand von Evonik beschlossen; der Aufsichtsrat müsse noch zustimmen. Auch auf Seiten der Stadtwerke müssten noch vier Stadträte die Übernahme billigen, wie das Konsortium mitteilte.

Medieninformationen zufolge zahlen die Stadtwerke für den Mehrheitsanteil an Steag 649 Millionen Euro. Der Konkurrent, die tschechische EHP-Gruppe, bot demnach 645 Millionen Euro.

Durch den Kauf durch die Kommunen entsteht der "Welt" zufolge erstmals ein Stadtwerke-Verbund mit einer starken eigenen Erzeugungsbasis, der den Marktführern E.ON und RWE im Inland Konkurrenz machen könnte. Die Beschlüsse bedürfen allerdings noch der Zustimmung des Aufsichtsrats von Evonik. Dem gehe ein Beschluss des Kuratoriums der RAG-Stiftung voraus, hieß es weiter.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Daniela Schneckenburger, begrüßte die Entscheidung. Würden einige Forderungen der Grünen im Gesellschaftsvertrag auch umgesetzt, "dann kann der Ankauf ein richtiger Beitrag zum ökologischen Umbau der Energieversorgung in NRW werden", sagte sie.

Dagegen forderte die CDU von Innenminister Ralf Jäger (SPD) eine rechtliche Überprüfung der Verkaufsentscheidung. Vize-Fraktionschef Peter Biesenbach warnte: "Das Risiko für die Kommunen ist groß." Jede Kommune solle sich nur im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit an dem Unternehmen beteiligen können.