Strommix

Stadtwerke in Thüringen und Sachsen: Ökostrom-Anteil sehr unterschiedlich

Im Vergleich der Stadtwerke in Sachsen und Thüringen ist der Anteil von Ökostrom am Strommix sehr verschieden und reicht von knapp vier bis fast 20 Prozent. Laut Angaben einiger Unternehmen sei das Interesse der Kunden an der Stromherkunft jedoch sehr gering, einige halten daher die Stromkennzeichnung für überflüssig.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt/Dresden (ddp-lth/ddp-lsc/sm) - Die Stromversorger in Erfurt, Gera und Meiningen haben thüringenweit den größten Anteil an erneuerbaren Energien in ihrem Strommix. Wie ein Vergleich der Angaben der Thüringer Stadtwerke und von kommunalen Energieversorgern zeigt, liegen die Stadtwerke Erfurt mit 16,1 Prozent, die Energieversorgung Gera mit 16 Prozent und die Stadtwerke Meiningen mit 15,52 Prozent Anteil erneuerbarer Energien an der Spitze. Den geringsten Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien haben danach die Energieversorger in Stadtroda (neun Prozent), Nordhausen und Altenburg (jeweils zehn Prozent).

Im Vergleich der sächsischen kommunalen Stromversorger liegen Annaberg-Buchholz mit 19,31 Prozent, Olbernhau mit 18,22 Prozent und Meerane mit 17 Prozent den größten Anteil an Ökostrom in ihrem Angebot. Am niedrigsten ist der Anteil erneuerbarer Energien in diesem Bundesland in Löbau und Delitzsch mit 3,8 beziehungsweise 10 Prozent.

Seit 2005 sind die Stromversorger in Deutschland verpflichtet, ihren Kunden den jeweiligen Anteil von Kernkraft, fossilen Energieträgern und erneuerbaren Energien an dem von ihnen verkauften Strom mitzuteilen. In der Regel geschieht dies auf Rechnungen und durch Informationen im Internet. Sowohl in Thüringen als auch in Sachsen wird der Großteil des verkauften Stroms aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas erzeugt. Er reicht je nach Stromversorger von 54 bis 80 Prozent. Der Anteil der Kernkraft liegt zwischen neun und knapp 28 Prozent.

Kaum Kundeninteresse an Stromherkunft

Das Interesse der Kunden an der Herkunft des Strom ist nach Angaben von Stromversorgern allerdings gering. "Wir haben schon hin und wieder Anfragen nach der Zusammensetzung des Stroms, allerdings nicht in großer Zahl", sagt Gerlind Ostmann von der Dresdner Drewag. Auch bei den Leipziger Stadtwerken ist die Zahl der Nachfragen von Kunden zum Strommix klein, erklärt Sprecherin Ines Hammer. Ähnliches verlautete aus den Stadtwerken Reichenbach im Vogtland, Annaberg-Buchholz und Bautzen. "Es kommt den Kunden schon in erster Linie auf den Preis an", meint Ina Gruve von den Stadtwerken Olbernhau.

Die Sprecherin der Stadtwerke Erfurt beziffert den Anteil der Kunden, die gezielt nach der Herkunft des gelieferten Stroms fragen, mit 0,1 Prozent. Die Kunden der Stadtwerke Bad Langensalza und Mühlhausen haben nach Auskunft der Unternehmen "überhaupt kein Interesse" an der Herkunft des Stroms. Auch Reimund Hilscher von der Energieversorgung Gera spricht von einem sehr geringen Interesse. Bis Ende 2006 hätten auch nur zehn Kunden ihre Verträge gekündigt, weil sie mit dem Energiemix nicht einverstanden gewesen seien.

Stromkennzeichnung überflüssig?

Hilscher hält die Pflicht zur Kennzeichnung des Stroms daher auch für überflüssig. Die Nachweisverpflichtung sei mit Kosten und einem erhöhten Verwaltungsaufwand verbunden, kritisiert er. Weimars Stadtwerke-Sprecherin Hölbe betont, "unsere Kunden fühlen sich mehr verwirrt als informiert". Da die Rechnungen neben dem Energiemix auch Angaben zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), zur Stromsteuer, zu Netznutzungsentgelten und weiteren Daten enthalten müssten, seien sie für viele Kunden unverständlich geworden. Nach Einschätzung von Birgit Foerg von den Erfurter Stadtwerken wirkt sich die Stromkennzeichnung "nicht auf die Entscheidungsfindung des Kunden zum Stromprodukt aus".

Positiv: Kennzeichnung schafft mehr Transparenz

In Altenburg wird die Pflicht zur Stromkennzeichnung hingegen positiv gesehen. "Wir als Unternehmen finden die Verpflichtung gut, da sie Transparenz schafft», sagt Sprecherin Carola Blümel von der Energie- und Wasserversorgung Altenburg GmbH. "Das Thema erneuerbare Energien ist derzeit ja in aller Munde", sagt auch Drewag-Sprecherin Ostmann. Vor diesem Hintergrund sei es für die Kunden schon interessant und richtig zu wissen, aus welchen Quellen der Strom komme.