Beteiligungen

Stadtwerke-Forderungen des Bundeskartellamtes stoßen auf Kritik

RWE und EnBW haben die Forderung des Bundeskartellamts nach einer Reduzierung ihrer Beteiligung an Stadtwerken und Regionalversorgern zurückgewiesen. Kartellamtschef Heitzer hatte zuvor gesagt, die Beteiligung der Konzerne sei eines der größten Hindernisse für den Wettbewerb.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen/Stuttgart (ddp/sm) - "Wir sehen im geltenden Kartellrecht ausreichende Instrumente, die einen funktionierenden Wettbewerb sicherstellen", sagte RWE-Sprecherin Annett Urbaczka. Der Essener Konzern besitzt Beteiligungen an etwa 120 Stadtwerken. Darunter seien weniger als zehn Mehrheitsbeteiligungen, fügte die Sprecherin hinzu. Die Beteiligungen der RWE AG seien vom Kartellamt genehmigt worden.

Auch von EnBW wurde die Forderung Heitzers zurückgewiesen. "Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Kritik des Kartellamts nicht", sagte EnBW-Sprecher Ulrich Schröder. EnBW besitze Anteile an 40 Stadtwerken - darunter sei lediglich eine Mehrheitsbeteilgung. Aus diesem Grund verfüge EnBW auch nicht über eine führende Rolle bei den meisten Stadtwerken, an denen die Gesellschaft Anteile hält.

E.ON wollte sich zu den Äußerungen Heitzers nicht äußern. Lars Josefsson, Vorstandschef von Vattenfall AB, der schwedischen Muttergesellschaft der Vattenfall Europe AG, sagte am Montag auf einer Pressekonferenz lediglich, dass sein Unternehmen mehr Wettbewerb befürworte. Ob die Vorschläge des Kartellamts zu mehr Wettbewerb führen würden oder nicht, bleibe jedoch fragwürdig, sagte Josefsson.

Das Vorhaben des Kartellamts markiert einen Wendepunkt bei der Wettbewerbsaufsicht. Für die großen Versorger E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Europe wäre der Zwangsverkauf ein harter Schnitt. Die Anteile sichern ihnen einen unmittelbaren Zugang zu den Kunden, die Kontrolle über das Endverteilernetz und direkten Einfluss auf die Preisbildung auf den regionalen Märkten.