Bewertung der Studie

SSK-Chef hält Leukämieverdacht bei AKWs für kaum belegbar

Der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission (SSK), Wolfgang-Ulrich Müller, hält einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb von Atomkraftwerken und dem Auftreten von Leukämie für kaum belegbar. Die Kommission soll die am Wochenende bekannt gewordene Krebs-Studie bewerten.

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Frankfurt/Main (ddp/sm) - "Es wäre weltweit das erste Mal, dass Krebsfolgen in einem solch extremen Niedrigdosis-Bereich nachgewiesen würden", sagte der Strahlenbiologe der "Frankfurter Rundschau". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Strahlenschutzkommission beauftragt, die Krebs-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz zu bewerten. Diese hatte eine erhöhte Leukämie-Rate bei Kindern in der Umgebung von Atomkraftwerken (AKW) festgestellt.

Müller verwies auf gut untersuchte Gebiete mit erhöhter natürlicher Strahlenbelastung. Dort träten nicht mehr Krebsfälle als anderswo auf, obwohl dort die Strahlendosis für die Bewohner deutlich höher sei als in der Umgebung von Atomkraftwerken.

Der SSK-Chef wies ferner darauf hin, dass in der aktuellen Studie nur die Nähe zum Kraftwerk berücksichtigt worden sei, nicht aber die jeweilige Strahlendosis. Daher könne man eine direkte Kausalität nicht herstellen. "Die Strahlung ist ja nicht automatisch in der direkten Umgebung der Anlage am höchsten - sie hängt etwa von Wetter, Vegetation und davon ab, ob es dort flach oder hügelig ist", sagte Müller. Dies zu erheben, wäre ein enormer Aufwand und könnte sicher nicht von heute auf morgen geschehen.