Unstimmigkeiten

"Spiegel": RWE erhebt Vorwürfe gegen RAG-Vorstandschef Müller

Müller habe weit reichende Beschlüsse gefasst, ohne den Aufsichtsrat einzubeziehen, berichtet das Magazin. RAG-Aufsichtsratschef Bernotat habe sofort reagiert und eine Sonderaufsichtsratssitzung einberufen, hieß es. Zudem solle eine Anwaltskanzlei die Vorwürfe prüfen.

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Essen/Hamburg (ddp/sm) - Der Essener Energiekonzern RWE hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen RAG-Chef Werner Müller erhoben. In einem Schreiben an RAG-Aufsichtsratschef Wulf Bernotat beklage RWE, dass Müller weit reichende Beschlüsse ohne die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats gefasst habe. Außerdem habe Müller den Aufsichtsrat "nicht nach den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Berichterstattung" informiert.

Deshalb, monierten die beiden RWE-Vorstandsmitglieder Jan Zilius und Berthold Bonekamp in dem von ihnen unterzeichneten Schreiben, könnten die Aufseher "ihren gesetzlichen Kontrollpflichten nicht nachkommen".

Auf die Vorwürfe habe Aufsichtsratschef Bernotat umgehend reagiert, berichtete der "Spiegel" am Samstag. Der Manager habe inzwischen eine Sonderaufsichtsratssitzung der RAG einberufen. Außerdem solle eine externe Anwaltskanzlei prüfen, ob die RWE-Vorwürfe zutreffen. Konkret geht es bei der Auseinandersetzung dem Bericht zufolge um eine Vereinbarung zwischen RAG und dem luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor, der wie RWE RAG-Anteile hält.

Ohne die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats, so der RWE-Vorwurf, habe Müller am 19. März eine notarielle Vereinbarung mit Arcelor geschlossen. Damit sei dem Stahlkonzern die Möglichkeit eingeräumt worden, sich demnächst an der RAG-Kokerei zu beteiligen und die mehrheitlich der RAG gehörende Versorgungsgesellschaft Saar Ferngas zu kaufen. Die RAG wies die Vorwürfe im "Spiegel" zurück.